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Wowereit und die «Jungen Wilden»: Berliner Kunst in Prag

Als größtes Kulturereignis während der Berlin-Tage in Prag ist gestern eine Ausstellung der Berlinischen Galerie eröffnet worden. Galerie-Direktor Jörn Merkert nannte es eine gute Gelegenheit, den politisch Verantwortlichen der Bundeshauptstadt, allen voran dem designierten Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, zeigen zu können, «was in Berlin seit vier Jahren nicht mehr zu sehen ist». Denn die Berlinische Galerie - einst im Gropiusbau beheimatet - hat seit dieser Zeit kein Domizil. Statt die Werke in Depositorien einzulagern, entschieden sich die Berlin-Galeristen für eine Wanderausstellung quer durch Europa. Er schätze sich sehr glücklich, dass ausgerechnet Prag - obwohl ursprünglich gar nicht geplant - der Endpunkt einer langen Ausstellungsreise der Galerie war, die unter anderen über Bonn, Grenoble und Porto führte. Präsentiert werde das «Herzstück» der Sammlung, betonte die Autorin der Ausstellung, Ursula Prinz.

Für mehr als zwei Monate hat sich nun ein Saal der Galerie der Hauptstadt Prag in ein Dada-Kabinett verwandelt. Andere Räume zeigen Ausstellungsstücke aus der Graphik-Sammlung «Brücke», Werke osteuropäischer Avantgardekünstler, die sich in Berlin trafen oder dort auf dem Weg nach Paris einen Zwischenaufenthalt einlegten, sowie Vertreter der «neuen Sachlichkeit» wie Otto Dix oder der späteren Kunstgeneration der so genannten Jungen Wilden. Ziel der Berlinischen Galerie ist es, ausschließlich Kunstwerke zu sammeln, die in Berlin entstanden sind.

Aus räumlichen Gründen ist die Wanderausstellung jedoch für Prag noch einmal stark verändert und ein wenig reduziert worden. Es können nur Werke aus der Zeit vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis 1977 gezeigt werden. Erweitert wurde die Ausstellung jedoch beispielsweise mit Collagen und Bildern von Roul Hausmann, der 1921 in Prag weilte, um so die direkte Verbindung zwischen den beiden Städten herzustellen. Die Ausstellung sollte gestern Abend von Prags Oberbürgermeister Jan Kasl und Klaus Wowereit eröffnet werden.

Das Programm des SPD-Politikers war beim ersten Berlin-Tag dicht gedrängt. Zunächst hatte Wowereit auf einem Seminar über die Weiterentwicklung von Plattenbausiedlungen gesprochen. Hier wurde deutlich, wie ähnlich die Probleme der beiden Partnerstädte sind. Etwa zwei Drittel der 1,3 Millionen Prager leben in Neubausiedlungen am Rande der Stadt, die in den 70er- und 80er-Jahren entstanden und noch gigantischer und unansehnlicher ausgefallen sind als Hohenschönhausen oder Marzahn. Experten aus beiden Städten suchten nach Möglichkeiten einer sinnvollen Sanierung und Verschönerung der Bausubstanz.

Wohl noch mehr als Berlin quälen Prag Verkehrsprobleme. So diskutierten Fachleute auf einem weiteren Seminar über «Neue Wege der Verkehrsplanung». Auf dem Programm Wowereits stand außerdem ein Spaziergang durch die tschechische Hauptstadt.

Heute wollen die Bürgermeister der Partnerstädte, Wowereit und Kasl, den Sieger des «Berlin International Business Award» vorstellen. Der Preis soll an das tschechische Unternehmen mit dem besten Konzept für das internationale Marketing gehen. Die Städtepartnerschaft zwischen Prag und Berlin besteht seit Mitte der 90er-Jahre.

Von Heiko Krebs
 

 
 

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