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St. Galler Bären und Zürcher Teddys

Im Sommer 2005 sind die Bären los - nicht nur in St. Gallen, auch in Zürich

St. Gallen. Knuddeln, streicheln, küssen - alles ist erlaubt. «Teddy-Summer Zürich 2005» heisst es in Zürich (Frühenglisch sei Dank). «Sankt Gallen bärenstark» nennen die St. Galler ihre Aktion. Ein tierischer Sommer wirds allemal.

Corinne Allenspach

Nach den Löwen die Kühe, dann die Bänke und im Sommer 2005 die Teddys. Unter dem Motto «Ich liebe Teddys - ich liebe Zürich» setzt die Limmatstadt ganz auf den Kuschelfaktor. Rund 600 von Künstlern gestaltete Polyester-Teddys sollen zwischen Mai und September in die städtische Wildbahn entlassen werden. Auf einem Podest sitzend oder stehend werden sie den Touristen ununterbrochen zulächeln, und mit ihren beweglichen Armen können sie sogar winken. Mit den knuddeligen Tieren will Zürich sein Image als «sympathische und fröhliche Erlebnisstadt» stärken und für internationales Aufsehen sorgen.

Grosse Bären, kleine Teddys

Sind die Zürcher Teddys ein Grund für die St. Galler, auf den Einsatz ihrer Bären zu verzichten? Oder den Start ihrer Aktion um ein Jahr zu schieben? «Ganz und gar nicht», sagt Walter Tobler, Initiant von «Sankt Gallen bärenstark». «Die kleinen Zürcher Teddys sind doch etwas ganz Anderes als unsere grossen Bären.» Ähnlich sieht das Alberto Vonaesch, Direktor von St. Gallen-Bodensee-Tourismus: «Bei uns steht der Bär in direktem Zusammenhang mit der Stadtgeschichte und dem Stadtwappen. Der Zürcher Teddy hingegen ist eher ein Spielzeug.» Für einmal sind die St. Galler aber nicht nur grösser, sondern auch teurer. 3999 Franken kostet ein St. Galler «Rohling», der dann künstlerisch bearbeitet werden muss. Den Zürcher Teddy gibts schon ab 1950 Franken. Walter Tobler: «Bei unseren St. Galler Bären sind einige Dienstleistungen inbegriffen. Sie werden beispielsweise professionell lackiert und beschriftet. Ausserdem gehen zehn Prozent des Kaufpreises ans ‹Schlupfhuus›, eine Notunterkunft für Kinder und Jugendliche.» Allerdings: Auch beim Kauf eines Zürcher Teddys ist ein «12-Punkte-Package» mit Dienstleistungen inbegriffen. Dazu gehören beispielsweise eine Teddy-Haftpflichtversicherung, die regelmässige Körperpflege der Tiere sowie das «Einfangen» und Umplatzieren für die Street Parade.

«Privat-Herzinfarkt»

Zugegeben, er habe einen «Privat-Herzinfarkt» gehabt, als er vom neusten Streich seiner Zürcher Nachbarn erfahren habe, lacht Tobler. Er hätte auch noch aussteigen können aus dem Projekt «bärenstark», habe es dann aber bewusst doch nicht getan. «Zürich ist so weit weg und St. Gallen ist selbständig als Tourismus- und Einkaufsstadt», ist Tobler überzeugt. Allerdings rühren die Zürcher nächsten Sommer mit ganz grosser Kelle an. Hauptsponsor ist der Flughafen Zürich, auf dessen Areal mehr als 50 der freundlichen Tiere die Reisenden begrüssen sollen. Haben bis heute 20 St. Galler Bären einen Besitzer gefunden, sind es in Zürich schon über 400 Teddys. Davon sind 15 für die City-Vereinigung Zürich bereits gestaltet worden. Da gibt es den «Sportsbear of the Year», der, mit Schweizer T-Shirt und Medaillen behangen, auf dem Siegerpodest steht. Oder Vater und Sohn «Hong und Kong», die, schlitzäugig, ganz patriotisch mit der Schweizer Fahne winken.

Zürich ist erstaunt

«Wir haben die Aktion vor zwei Jahren gestartet», sagt Edith Strub, Projektleiterin des Zürcher «Teddy Summers 2005». «Die ausgesprochen positiven Reaktionen der Leute zeigen, dass wir mit unserem Projekt auf einem guten Weg sind.» Ob sie von den St. Galler Bären wusste? Ja, sie habe es Mitte November im «St. Galler Tagblatt» gelesen und sei erstaunt gewesen. Dass der Bär mit der Limmatstadt als Wappentier eigentlich nichts zu tun hat, sieht Edith Strub nicht als Problem. «Wir haben ein Sujet gesucht, das Freude macht, ‹den Bauch› anspricht, das die ganze Welt kennt und akzeptiert. Ausserdem ist der kuschelige Teddy ja kein richtiger Bär.» Stimmt. Genau genommen ist der Teddy ja ein Amerikaner und nach Theodore «Teddy» Roosevelt benannt. Dass dieser US-Präsident 1902 auf der Jagd einen jungen Bären verschonte, rührte damals viele Herzen und verhalf dem «Teddybären» zu seinem Namen.

St. Gallen ist eigenständig

Teddys hin, Bären her. Werden sich die Tiere nächsten Sommer in die Quere kommen? «Für St. Gallen sehe ich keinen Nachteil», sagt Walter Tobler. «Wir werden keinen Bär weniger verkaufen und wegen den Teddys auch nicht weniger Beachtung erhalten», ist er überzeugt. Zürich habe natürlich viel mehr Erfahrung mit solchen Aktionen. Da St. Gallen so etwas noch nie gemacht habe, fragten sich alle: «Gelingt den St. Gallern die Aktion?» Tobler ist zuversichtlich: «Wir gehen nicht unter, ganz im Gegenteil. Und wenn wegen unserer Bären ein Zürcher in die Ostschweiz käme, wäre das doch genial.» Auch Tourismusdirektor Alberto Vonaesch sieht das Ganze positiv: «Wir stehen nicht im Schatten von Zürich. Wir sind eine eigenständige Stadt.» Und was meinen die Zürcher zu unseren Bären? Edith Strub: «Wir sind uns gewohnt, dass die ganze Welt Zürich kopiert.»

Bärenaktionen im Internet: www.sanktgallen-baerenstark.ch www.teddy-summer.ch

 

 
 

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