Start / Press
Facebook Logo

Press

Die Bärenfamilie wächst

Bereits 28 Bären verkauft: Wird ein weiteres Kapitel St.Galler Bärengeschichte geschrieben?

Der Auftakt von «St.Gallen Bärenstark» ist gelungen. Berlin hat aber schon lange Bären, Zürich im nächsten Sommer Teddys. Ahmt St.Gallen nach oder macht es bärenstarke Originale?

Heute vor einem Monat hatte Walter Tobler, Initiant von «Sankt Gallen Bärenstark», zum Bärenapéro eingeladen. Damals präsentierte er dem bäreninteressierten Publikum zwei bereits verkaufte und bemalte Exemplare. Ingesamt 50 sollen im nächsten Sommer die Stadt mit Farbe und Charme beleben. Ist die Bärenfamilie in diesem Monat gewachsen - oder will Meister Petz in St. Gallen nicht (wieder) heimisch werden?

Grosses Kaufinteresse

«Klar werden die Bären verkauft», sagt Walter Tobler seelenruhig. Und fährt nicht ohne Stolz fort: «28 Bestellungen sind bereits unterschrieben. Ausserdem haben viele Interessenten schon mündlich zugesagt.» Unter den Käufern finden sich sowohl Gewerbebetriebe wie auch Banken und Vereine. Ein Buddy-Bär kostet 3999 Franken, zehn Prozent kommen dem «Schlupfhuus» zugute. Der Verkauf läuft bis Mitte Januar. In den ersten Januar-Tagen will Tobler entscheiden, ob «St.Gallen Bärenstark» durchgeführt werde - er ist überzeugt davon. Es sieht also ganz so aus, wie wenn ein weiteres Kapitel St. Galler Bärengeschichte geschrieben würde. Diese nahm ihren Anfang bekanntlich mit der legendären Begegnung zwischen Gallus und einem Bären. Bald setzte das Kloster dieses Tier in sein Wappen, später die Stadt St. Gallen. Allerdings ziert der Bär auch die Wappen des Standes Appenzell und der Städte Bern und Berlin. St. Gallen versuchte verschiedentlich, sein Wappentier heimisch zu machen - die besten Erfahrungen wurden mit ausgestopften oder grillierten Bären gemacht (Ausgabe vom 18. November). Andere Städte hatten geschicktere Händchen: Den Bärengraben kennt jedes Kind, die Berliner Buddy-Bären sind weltweite Botschafter.

Original oder Kopie?

«Muss auch St. Gallen jetzt noch Bären aufstellen, zumal Zürich mit seinen Teddys mit grosser Kelle anrührt?» So fragen Skeptiker. Befürworter sagen: «Endlich bekommt das Stadtwappen eine farbige Präsenz in der Öffentlichkeit.» Auch auf der «Tagblatt»-Stadtredaktion sind die Meinungen geteilt: In zwei Kommentaren werden Argumente für und wider die Fortsetzung der St. Galler Bärengeschichte mit der Aktion «Bärenstark» dargelegt. (kl)

Pro

Im Jahr des Bären

Endlich Bären! Mit der Sommeraktion entdeckt St. Gallen seine eigenen Stärken. «St. Gallen kann es!», rief der Kanton uns kürzlich zu. «St. Gallen tut es!», geben wir freudig zurück und verteilen im nächsten Sommer eine Kompanie Bären in die Gassen. Mag sein, dass andere Städte schon früher Bären auf ihre Strassen stellten. Das ändert nichts daran, dass der St. Galler Bär einmalig ist; so originell wie original.

Bären in den Gassen, das schafft ein neues Stadterlebnis. Unser Wappentier wird uns begleiten, wo immer wir stehen und gehen. Ein zentralörtlicher Bärendienst, in positivem Sinn. Wenn das nicht die Leute nach St. Gallen bringt, die Kauflust anstachelt, die Wirtschaft beflügelt! Restaurants rechnen mit Gästen, die mit einem Bärenhunger einkehren. Bettenverkäufer mit Kunden, die wie ein Bär schlafen möchten. Drogerien mit Leuten, die ihre Brummbären-Stimme mit Kräuterbonbons aufpeppen. Für die Kleinen aber stehen Bärlein bereit. Teddy ist seit je ein Kinder-, Gummibärli ein Gaumenfreund. Und die sprichwörtliche Bärenstärke? Die könnte unsere Sportler beflügeln. Noch immer tschutten unsere Fussballer in den blassgrünen Leibchen der Kantonsfarben. Würden sie doch zum satten Rot und Schwarz des Wappentiers zurückkehren! Als «FC Gallus Bears» müssten sie gewiss nicht auf hintersten Plätzen überwintern. Höchste Zeit also für ein Jahr des Bären! Josef Osterwalder j.osterwalder@tagblatt.ch

Kontra

Globalisierte Bären

St. Gallen lässt uniforme Bärenskulpturen von Kunstschaffenden bemalen, um sie dann zwei Sommer lang in die Gassen zu stellen und 2006 zu versteigern. Dies, nachdem in Berlin gleiche Bärentypen seit geraumer Zeit zu sehen sind. Und es beispielsweise in Reutlingen am Fuss der Schwäbischen Alb bereits Ende November 2002 eine grosse ART-Bär-Versteigerung gab. Nicht zu reden von Zürich, wo schon vor Jahren von Kunstschaffenden bemalte Kühe in die Gassen gestellt und verkauft wurden.

Das Fazit: Ein so genannt cooler Event folgt dem nächsten. Und wer auf Nummer sicher gehen will, kopiert das, was andernorts bereits gelungen ist. Insofern ist es höchste Zeit, dass St. Gallen seine Bären entdeckt. Vor lauter Begeisterung und Nabelschau wird aber vergessen, sich ein wenig umzuhören: Wir sind schliesslich bärenstark. Und so erfahren die Promotoren eher beiläufig, dass es in Zürich im nächsten Sommer Konkurrenz geben wird mit putzigen Teddy-Bären. Farbtupfer setzen, die Stadt beleben, Touristen anlocken: Das sollen die Bären. Nur: Wer reist da noch extra nach St. Gallen, wenn es bei solch globalisierten Aktionen Bären auch andernorts - oder schon lange - zu sehen gibt? Okay: Es ist besser, eine Aktion zu spät als gar nie zu beginnen. Aber etwas Eigenständigeres hätte es schon sein dürfen. Aufgestellte Mumien oder Gallüssli oder Otmärli - eventuell mit Weinfässchen. Martin Arnet m.arnet@tagblatt.ch

 

 
 

© 2020 Buddy Bär Berlin GmbH
Eine Initiative von Eva und Dr. Klaus Herlitz

Privacy notice
Imprint