Start / Presse
Facebook Logo

Pressespiegel

Mit Berlin-Tagen präsentiert sich die Bundeshauptstadt in Warschau

 Nachbarschaftliche Grüße
Mit Berlin-Tagen präsentiert sich die Bundeshauptstadt in Warschau

Klaus Wowereit brachte seinem Warschauer Bürgermeister-Kollegen Wojciech Kozak einen Buddy Bären mit. (Foto: AP)

Klaus Wowereit ordnet die Bänder, dann hält er eine Minute inne, den Kopf gesenkt. Diesmal sind die Kränze in Warschau pünktlich zur Hand. Als Wowereit im Februar als Bundesratspräsident zum ersten Mal in Polens Hauptstadt weilte, konnte er am Mahnmahl für den Aufstand im jüdischen Ghetto nur still und spontan gedenken.

Gestern war Berlins Regierender Bürgermeister als Stadtoberhaupt an der Weichsel. Und er versäumte nicht, vor den verzweifelt-entschlossen aus einem Granitblock drängenden Helden-Figuren ein Gesteck aus weißen und roten Rosen, Polens Nationalfarben, abzulegen. Erinnerungsarbeit. Hier war Willy Brandt 1970 in einer großen Geste auf die Knie gesunken und hatte die Versöhnung Deutschlands mit Polen symbolisch eingeleitet.

Wo bis zum Aufstand 1943 Warschaus Juden zusammengepfercht vegetierten, sonnen sich heute leicht bekleidete Menschen zwischen den Neubauten. Das neue Warschau. Dazu gesellt sich in diesen Tagen das neue Berlin mit seinem Bürgermeister, der für gute Stimmung sorgt, Beziehungen pflegt und polnische Journalisten zur Love Parade einlädt.

Die Auferstehung beider Metropolen nach jahrzehntelanger Agonie und wie man sich dabei helfen kann, das war das Thema des Besuchs anlässlich der Berlin-Tage, die die Stadtmarketing-Gesellschaft Partner für Berlin in der polnischen Hauptstadt zum zweiten Mal nach 2000 organisiert. Die Polen betrachten Berlin als wichtigsten Verbündeten vor dem Beitritt ihres Landes zur Europäischen Union. Darum nahm sich sogar Staatspräsident Aleksander Kwasniewski Zeit. Die Berliner hoffen ihrerseits, dass sich langjährige Pflege der Städtepartnerschaft auch endlich ökonomisch auszahlen möge.

Mit einem Konzert des Berliner Kammerorchesters in der Nationalen Philharmonie präsentierte sich Berlin als Kulturmetropole. Die Warschauer hatten sich explizit ein kulturelles Highlight gewünscht. Wowereit machte kurzfristig 49 000 Euro Lottogeld für zwei Auftritte locker. Und es besteht berechtigte Hoffnung, das Berliner Engagement könnte sich über alle Symbolkraft hinaus lohnen.

"Erstmals haben wir ein konkretes Projekt vor der Flinte", sagte Wowereits Osteuropa-Beauftragter Wolfram Martinsen. Die Warschauer sind entschlossen, eine zweite U-Bahnlinie zu bauen. 20 Kilometer lang in Ost-West-Richtung, 19 Stationen, geplanter Baubeginn 2005, Kostenpunkt zwei Milliarden Euro.

Heißer Anwärter auf den Auftrag ist ein Konsortium aus Hochtief und Bilfinger & Berger sowie der in Berlin ansässigen Siemens Transportation Systems. «Da würden Hunderte von Millionen in Berlin versteuert», sagt Wowereit. Um vorzuarbeiten, berieten Berliner Experten in einem Workshop schon mal, wie der regelmäßig kollabierende Verkehr in der Zwei-Millionen-Metropole zu bändigen sei.

Planungsarbeit nicht ohne Hintergedanken: Siemens hofft, mit einem ganzheitlichen Ansatz für Planung, Bau und Betrieb der U-Bahn den Zuschlag zu bekommen. Außerdem kümmern sich die Berliner um eine geplante Brücke über die Weichsel im Norden der Stadt. Berlinwasser hofft auf Aufträge für zwei Abwasseranlagen. Für die Berliner Wirtschaft wäre Kundschaft aus der aufstrebenden Nachbarmetropole ein warmer Regen.

Und sie würde den Perspektivenwechsel verdeutlichen, den Wowereit und sein Senat für den Blick nach Polen propagieren: Weg vom Zerrbild der Einöde kurz vor dem Ural, hin zur Betrachtung eines Landes voller Chancen gleich nebenan. Denn vor allem falsche Klischees verhindern nach Überzeugung der Strategen oft, dass Berlin seine Rolle als Ost-West-Drehscheibe spielen kann.

Bald soll der Zug zwischen den Hauptstädten nur noch vier Stunden 45 Minuten brauchen. Auch für eine Autobahn auf polnischer Seite will Wowereit Signale empfangen haben. Zwölf Jahre nach der Begründung der Städtepartnerschaft rückt Warschau näher an Berlin.

Joachim Fahrun

 
 

© 2020 Buddy Bär Berlin GmbH
Eine Initiative von Eva und Dr. Klaus Herlitz

Datenschutz
Impressum