Wo "Libärty" schon in "Libäria" ist

Neue Kollektion der Berliner "Buddy Bären" zieht die Massen an wie Honig ? Welttournee

Berlin. Die deutsche Hauptstadt ist zum zweiten Mal im Bärenfieber: Tausende besuchen täglich die neue Kollektion der so genannten United Buddy Bears, die sich gleich neben dem Brandenburger Tor im Kreis aufgestellt haben. In knapp zweieinhalb Monaten gehen die 123 bunten, friedlichen und jeweils ein Land dieser Erde repräsentierenden Gesellen auf Welttournee.

Umu Wenberg, Schöpfer des liberianischen Bären, wünscht sich derzeit nichts so sehr wie Frieden und Freiheit für sein vom Bürgerkrieg erschüttertes und zerstörtes Land. Seine Hoffnungen für eine Lösung des Konflikts ruhen ganz auf den Vereinigten Staaten, schließlich sehen viele Liberianer die USA immer noch als "großen Bruder". Die älteste Republik Afrikas wurde 1847 von freigelassenen amerikanischen Sklaven ausgerufen. "Die Flagge Liberias hat viele Gemeinsamkeiten mit der Flagge der USA, doch je länger wir hinsehen, umso mehr erkennen wir die Unterschiede", sagt Wenberg ? und meint damit sicherlich nicht nur das Aussehen der Flagge. Mit den weichen und runden Formen seines Bären will der Künstler, der seit 1995 in Berlin arbeitet, nach eigenen Aussagen einen "spannungsreichen Kontrast zu den strengen, geometrischen Formen" seiner Landesflagge bilden.

Ein Land, ein Künstler, eine Botschaft ? nach diesem Prinzip ist auch die neue Buddy-Bären-Ausstellung aufgebaut. Die gesamte Schau soll als Symbol für Toleranz und Völkerverständigung stehen. "Sowohl im vergangenen Jahr als auch in diesem Jahr wurden die Bären von Künstlern gestaltet, die aus dem jeweiligen Land stammen und denen es ein besonderes Anliegen war, durch die Gestaltung auf Besonderheiten ihres Landes aufmerksam zu machen", erklären die beiden Initiatoren der "United Buddy Bears", Eva und Klaus Herlitz. Ob Kultur, Geschichte, Menschen, Landschaft, Wirtschaft oder Musik ? es seien alle Bereiche berücksichtigt worden, so dass die Neugier des Betrachters für das jeweilige Land geweckt werde. "Auch die kleinsten, ärmsten, oft weniger beachteten Länder werden plötzlich von den Besuchern wahrgenommen", stellt Eva Herlitz fest.

Im Jahr 2002 besuchten nach Veranstalterangaben insgesamt 1,5 Millionen Menschen die damals 125 Buddy-Bären. Fünf Monate lang standen die Figuren so wie heute nahe des Pariser Platzes, danach ging der Großteil von ihnen in die Heimatländer der Künstler, 46 Exponate wurden zu Gunsten des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) versteigert. Auch die neuen Bären werden Ende des Jahres auf Reisen gehen ? doch diesmal alle 123 auf einmal. Die erste Station wird St. Moritz in der Schweiz sein, von dort aus wandert die Kollektion in die ganze Welt. Am Ende der Tournee ? vermutlich im Jahr 2007 ? planen die Organisatoren, den "Kreis der Toleranz und Völkerverständigung" in New York oder in Berlin zu versteigern. Der Erlös der Auktion soll wiederum an Unicef gehen.

Unicef-Botschafter Peter Ustinov findet die neuen Bären bunter und charakterreicher als die Exemplare von 2002, wie er bei der Ausstellungseröffnung Ende Juli sagte. Während die meisten Länder schon das letzte Mal im Kreis der Bären vertreten waren, sind diesmal auch einige Newcomer dabei wie der Irak. Die Künstlerin Furat al Jamil hat auf den Bärenbauch eine orientalische Stadt gemalt, über die Sindbad und seine Freunde auf einem fliegenden Teppich vorbeihuschen. "Die Bilder sind an Historie und Volkssagen meines Landes angelehnt, um die Phantasie irakischer Kinder darzustellen, die in ihre Träume flüchten müssen, um der grausamen Realität zu entfliehen", sagt die 38-jährige al Jamil.

Erstmals griffen auch Botschaftsangehörige zu Pinsel und Farben, um einen Bären zu kreiren. Die Mitarbeiter der Botschaft Jamaikas malten ihren "Buddy" in leuchtenden Farben und Symbolen des Landes an, um "die Prinzipien von Liebe, Frieden, Verständnis, Freundschaft, Kooperation und Harmonie" darzustellen. Eritreas Botschafterin Zemede Tekle Woldetatios dekorierte ihren Bären von Kopf bis Fuß mit Farben, Schmuck und Design der Landestrachten. Das nordostafrikanische Land zählt bei vier Millionen Einwohnern neun verschiedene Volksgruppen.

Heimspiel für die USA

Gleich nebeneinander ? weil im deutschen Alphabet in unmittelbarer Folge ? stehen die Exemplare der Vereinigten Staaten und des Vereinigten Königreichs. Der britische Bär konzentriert sich auf das 50. Kronjubiläum der Queen und stellt außerdem bekannte britische Persönlichkeiten und Orte dar ? gewürzt mit einer Prise britischen Humors. Ein Heimspiel im Kreise der Bären hat der US-"Buddy", schließlich befindet er sich an jenem Ort neben dem Brandenburger Tor, wo später einmal die amerikanische Botschaft stehen wird. Schlicht, aber aussagekräftig ist die Botschaft, die der Künstler Bill C. Ray und sein fast fünfjähriger Sohn Julian mit ihrer Kreation ausdrücken wollen: Der Bär, von den Rays liebevoll "Libärty" genannt, ist zur Freiheitsstatue mutiert.

Es wäre also kein Wunder, wenn Umu Wenberg beim Anblick des US-Bären hoffen würde, dass "Libärty" auch mal in seinem Land vorbeischaut. Dann könnten die Chancen steigen ? auf Frieden und Freiheit in "Libäria".

Adrian Grodel