Wiedervereinigung ist das Motiv

Nordkoreas Buddy-Bär wird in Spandau bemalt - Er soll nach Seoul reisen

Wenn heute in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul der Ring von 123 Länder-Buddy-Bären aufgestellt wird, klafft eine Lücke. Zwischen dem südkoreanischen Buddy und dem Bären der Philippinen sollte eigentlich der nordkoreanische Buddy Hand in Hand mit seinem südkoreanischen Kollegen stehen. Doch der Bär steht immer noch in Berlin. Er erhält hier erst noch seine Bemalung - als Schlußpunkt einer Entwicklung, die von Politik und Diplomatie bestimmt ist.

Die beiden Buddy-Bären-Erfinder Eva und Klaus Herftz haben die Reise mit den United Buddy Bears auf die andere Seite der Weltkugel lange geplant. Nach Berlin, Kitzbühel und Hongkong ging es in diesem Jahr nach Istanbul und Tokio. Sechste Station ist Seoul. Geworben wird mit den kunstvoll bemalten Buddys immer für einen guten Zweck das Geld wird an Kinderhilfsorganisationen verteilt. Eigentlich undenkbar, daß Nordkorea keinen Bären dafür entsendet, dachte Herlitz und setzte alle diplomatischen Hebel in Bewegung, um den südkoreanischen mit dem nordkoreanischen Bären zu vereinen. Die Kunststoffmasse sollte von einem nordkoreanischen Künstler bemalt werden, um den Kreis der Bären-Völkerfamilie zu schließen. Doch die politische Feindschaft zwischen den beiden Ländern erschwerte den Plan. Prompt kam denn auch die Ablehnung des Herlitz-Angebots.

Erst langwierige Diplomatie brachte die Lösung. Einen Maler nach Seoul zu schicken, war für die Herrschenden in Nordkorea unmöglich. Also fragte die nordkoreanische Botschaft bei Herlitz an, ob zwei Staatskünstler das nordkoreanische Exemplar im Spandauer Buddybären-Atelier bemalen könnten. Vor knapp einer Woche bestiegen in Pjöngjang der 49jährige Chang Bok Rim und sein 22 Jahre jüngerer Kollege Ik Hyon Kim das Flugzeug. „Berlin ist für sie ein Kulturschock", sagt Eva Herlitz. Was die beiden leisten, sei unglaublich. Jeden Tag zaubern sie im Buddy-Bären-Atelier in Spandau einen „sensationellen" Buddy: Zeigt doch der nordkoreanische Bär phantasievoll eine wiedervereinigte Landschaft Koreas. „Es ist doch toll, daß ausgerechnet in der einst geteilten Stadt Berlin die Nordkoreaner mit ihrem Bären das Symbol der Wiedervereinigung ihres Landes als Motiv aufgenommen haben", freut sich Eva Herlitz. Ende kommender Woche - die Lufthansa signalisierte Bereitschaft für den Transport - soll die Lücke in Seoul geschlossen werden.