Wie wir auf den Bären kamen

Die WGLi als Sponsor im Kreis der Toleranz und Völkerverständigung

Auch am Pariser Platz macht die WGLi gute Figur. In der lehrreichen, amüsanten und deshalb empfehlenswerten Freiluftausstellung von Berliner Bären im bunten Gewande von 123 Ländern stellt sich unsere Genossenschaft neben ausländischen Botschaften, weiteren namhaften Unternehmen und Einzelpersönlichkeiten als Sponsor vor: Sie ist in diesem illustren Kreis Patin des kubanischen und des moldawischen Bären.

Nahe dem Brandenburger Tor bilden die Berliner Wappentiere einen Kreis der Toleranz und der Völkerverständigung. "Mit dieser Aussage sehen wir uns in voller Übereinstimmung", sagt Detlef Wagner, Technischer Vorstand der WGLi. Das Engagement unserer Genossenschaft erfülle zudem einen guten Zweck, so Wagner weiter, denn die farbenfrohen Gesellen werden anschließend in New York zu Gunsten des UN-Kinderhilfswerks (Unicef) versteigert. Filmlegende Sir Peter Ustinov teilte das als Unicef-Botschafter während der Ausstellungseröffnung mit. Doch vor der Versteigerung gehen die Buddy Bears, so ihr offizieller Name, auf Welttournee und tragen so den Namen auch der WGLi weit über die Grenzen Berlins hinaus.

Unser kubanischer Bär ist bei den zumeist heiter gestimmten Besuchern ein begehrtes Model, und das nicht nur, weil er der einzige Raucher ist. Die kubanische Künstlerin Nancy Torres hat ihm eine dicke Havanna zwischen die Zähne geschoben und eine wunderschöne Bauchbinde verpasst; denn die Zigarre ist nach ihrer Auffassung ein Synonym für Kuba. Nachdem Kolumbus 1492 die karibische Insel entdeckte, beschrieb und bewunderte er die Kunst der einheimischen Indianer, "getrocknete Kräuter in ein Blatt zu rollen" und dieses Produkt rauchend zu genießen.

Nancy Torres ist der WGLi sehr dankbar für diesen Bären-Auftrag. Sie hat in den Siebzigern an der Kunsthochschule in Weißensee studiert und danach als freie Bühnenbildnerin an vielen Theatern Ost-Berlins und in Dresden gearbeitet. "Diese gute Erinnerung will ich nicht zerstören", sagt sie. Deshalb habe sie sich vom Theater zurückgezogen, als nach der Wende nicht nur neue Leute, sondern auch völlig veränderte künstlerische Auffassungen heimisch wurden. Danach war sie u. a. an der ideenreichen Ausgestaltung der drei großen Aida-Kreuzfahrtschiffe beteiligt.

Valeriu Kurtu, der dem Moldau-Bären das Fell verschönte, ist ein malender Schalk. Sein kleines Land, die ehemalige Sowjetrepublik Moldawien, stellt er keck als Mittelpunkt der Erde dar. Und weil die Republik Moldawien Wälder, Wiesen und rebstockbebaute Hänge in Fülle hat, mutierte sein Bär zum grünen Jungen. Es lohnt sich, auf viele Details zu achten. Das eine Auge des Bären bildet der nicht besonders harte moldawische Leu, doch das andere schielt schon auf den begehrten Euro. Verschmitzte Moldawier erzählen dem Kenner köstliche Anekdoten. Der Künstler hat beispielsweise jenen Popen verewigt, der die Gelder für die überfällige Sanierung seiner Kirche aufbrachte, indem er in dem Gotteshaus klammheimlich Pornos drucken ließ.

Valeriu Kurtu arbeitet in Berlin u. a. als Karikaturist für russische Zeitungen.

Übrigens: Wer sich als Besucher der "United Buddy Bears" fragen sollte, wie Marx, Engels und Clara Zetkin auf den deutschen Bären kamen, dem sei verraten, auch das ist eine Sache des Geldes. Der gebürtige Husumer Martin Heinig hat seinem "Ursus Amicus" jene 20 Porträtköpfe ins Fell gesetzt, die in Ost und West die letzten deutschen Geldscheine vor der Währungsunion bzw. der Euro-Einführung zierten. Bekommen Sie noch zusammen, wen wir alles schon im Portmonee hatten?

Diethard Wend

In Berlin lassen sich gut 100 Länder durch Botschaften vertreten.

In der Stadt leben mehr als 440.000 Menschen aus anderen Ländern.

Die Buddy Bären wurden voriges Jahr zum ersten Mal ausgestellt und erfreuten 1,5 Millionen Besucher. Die Versteigerung erbrachte zu Gunsten von Unicef einen Erlös von rund 190.000 Euro.

Die Bären-Ausstellung wird nach bisherigen Plänen bis Mitte November am Pariser Platz zu sehen sein. Der Eintritt ist frei.

Buddy heißt "Freund" und wird vor allem im Sinne von "Kumpel" verwendet.

Es gibt im Berliner Straßenbild drei Buddy-Sorten. Die Bären am Brandenburger Tor haben die Tatzen erhoben und heißen "Tänzer". Die auf allen Vieren werden als "Freunde" bezeichnet, und "Akrobat" nennt sich jene Spezies, die den Kopf nach unten trägt.