„We have to get to know each other better..." - Berliner Bären werben für Völkerverständigung und Toleranz

Es zeugt von Mut und Optimismus und auch der Fähigkeit, nicht zu resignieren, die Hoffnung nicht aufzugeben, in Zeiten wie diesen für Toleranz, Solidarität und Respekt vor anderen Kulturen und Religionen zu werben. Das Ehepaar Klaus und Eva Herlitz verwirklichte eine ganz besondere Idee, die zeigt, welchen Beitrag Kunst zur Völkerverständigung leisten kann.

Das Projekt „United Buddy Bears" wurde in Berlin von den beiden initiiert. Die Buddy Bears - das sind über 100 Bären-Skulpturen, deren Gestalt an den Berliner Bären, das Wappentier, angelehnt ist, ca. 2 m hoch und 45 kg schwer. Bären gelten in verschiedenen Kulturen als Sympathieträger. Um Einheit, Zusammengehörigkeit und Solidarität zu verdeutlichen, werden die Figuren im Kreis angeordnet. Im Jahr 2002 standen die Buddy Bears knapp sechs Monate am Brandenburger Tor, einem symbol- und geschichtsträchtigen Ort. Ihre Haltung, auf den Hinterbeinen stehend mit nach oben gereckten Armen, soll Offenheit symbolisieren. An der Aktion „United Buddy Bears" haben sich die meisten Länder der United Nations beteiligt, je ein Künstler aus einem Land wurde mit der Gestaltung eines Bären betraut.

Toleranz und Respekt gegenüber anderen Menschen - dieses Motto haben die kreativen Köpfe mit hoher Sensibilität und einem Gefühl für Zwischentöne an „ihrem" Bären umgesetzt. Dabei sind faszinierende Kunstwerke entstanden, die reich an Eigenheiten sind, sich mit Land und Leuten auseinandersetzen, und charakteristische Eigenschaften vermitteln sollen.

Zur Realisation der Kunstwerke trafen die eingeladenen Künstler in Berlin aufeinander, und erstaunlich viele konnten dank ihrer Deutschkenntnisse das größte Hindernis in der zwischenmenschlichen Kommunikation umgehen. Während der Arbeit an den Bären herrschte eine fröhliche, ausgelassene Stimmung. Die Künstler tauschten sich untereinander aus über ihre Ideen und die Umsetzung, die doch eine Herausforderung darstellte. Für einige der Künstler war es ungewohnt, mit einer Skulptur zu arbeiten, sie mussten die Wirkung ihrer Entwürfe auf dem runden Körper des Bären erst einschätzen lernen. Ein Kamerateam begleitete den Entstehungsprozess und ließ die Künstler, Männer und Frauen aus allen Altersgruppen, ihre Kreationen erklären. Der daraus entstandene Film, „United Buddy Bears vor ihrer Welttournee" betitelt, ist als Videokassette erhältlich.

Eine Botschaft für die ganze Welt

Schon während des Entstehungsprozess zeigte sich die Öffentlichkeit interessiert an den bunten Bären, die aber laut Eva Herlitz viel mehr sind als nur Bären: „Die United Buddy Bears haben eine Aussage - sie wollen die Menschen anregen, sich zu informieren und so die Begriffe Völkerverständigung und Toleranz mit Leben füllen." In ihren Augen stellen die Bären eine Möglichkeit dar, Kinder an den Gedanken der Toleranz heran zu' führen. Gerade Kinder begeistern sich für die Bären und treten so spielerisch an das große Thema der Völkerverständigung heran. Um langfristig so hehren Zielen nahe zu kommen, muss man auch, vielleicht sogar gerade im Schulunterricht bei jungen Menschen ansetzen, die in der Zukunft die Geschicke der Menschheit bestimmen werden. Abgesehen davon tragen die Buddy Bears auch zur Verbesserung der Situation von Kindern in der ganzen Welt bei, indem Teile der Sammlung zugunsten von UNICEF und anderer Kinderhilfsorganisationen versteigert wurden. Auch Prominente setzen sich für die Aktion ein; Der große Schauspieler, Aktivist und UNICEF-Botschafter Peter Ustinov reiste zur Eröffnung der Ausstellung 2003 von Genf nach Berlin und meinte, die Buddy Bears wären auch eine Reise aus Timbuktu wert.

Die Stationen auf der Reise

Unter den Besuchern der ersten Buddy-Bears-Ausstellung waren Persönlichkeiten wie Bundespräsident Rau, Vertreter des politischen Lebens wie Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin, und zahlreiche Diplomaten zu finden.

Die Begeisterung der mehr als anderthalb Millionen Besucher blieb anderen Städten nicht verborgen. Das große Interesse an den Bären brachte die Initiatoren auf die Idee, sie im Jahr 2003 noch einmal in Berlin auszustellen und dann auf Welttournee zu schicken. Fest eingeplant für 2004 sind zur Zeit die Städte Shanghai, Peking, voraussichtlich auch Hongkong und, als erste Station außerhalb Deutschlands, Kitzbühel. Momentan steht dort nur ein kleiner verschneiter Buddy Bear auf einem Berg, aber ab 9. Januar wird er für circa sechs Wochen den ganzen Kreis von seinem Platz aus im Auge haben. Nach der Versteigerung einiger Bären werden diese durch neu gestaltete Länder-Bären ersetzt, um den Kreis vollständig an die nächsten Standorte weitergeben zu können. Die Bären werden im Durchschnitt vier bis sechs Wochen an einem Ort verweilen. Nicht länger warten wollte man in Shanghai: Seit 10. September 2003, also schon lange vor der offiziellen Ausstellung, kann man die Buddy Bears dort bewundern. Ein Bär wurde von Schülern der Deutschen Schule gestaltet, 23 weitere stammen von chinesischen Künstlern. Der deutsche Künstler Rolf Klünter, der 2002 an der Gestaltung des nepalesischen Bären beteiligt war, hatte die Idee zu diesem Projekt.

Die Buddy Bears ermöglichen Gemeinschaftsarbeit über Landesgrenzen hinaus, jeder, der teilnimmt an diesem Unterfangen, spürt die große, gewichtige Idee der einen Weltgemeinschaft. Neben dem Idealismus, der das Projekt kennzeichnet und dank des Enthusiasmus der Beteiligten leicht auf den Beobachter über springt, wird eines auf jeden Fall klar: „Kunst braucht keine Worte". Die Botschaft der Buddy Bears - „We have to get to know each other better, it makes us understand one another better, trust each other more, and live together more peacefully" - wird durch die Symbole ihrer Gestaltung und Präsentation überall verstanden.

Info für Bären-Fans, Künstler und solche, die es werden wollen: Wer angesichts dieser Vielfalt und Kreativität Lust bekommt, selbst einmal einen Bären zu gestalten oder ein Unikat zu verschenken, kann Buddy-Bär-Rohlinge, also weiße Bären in fünf verschiedenen Varianten, bei der Buddy Bär Berlin GmbH bestellen.

N.H.

Weitere Informationen, sowie Bestellformulare finden Sie unter:

www.buddy-bear.com

Zur Präsentation in Berlin ist das Begleitbuch „United Buddy Bears -Die Kunst der Toleranz" (deutsch/englisch), heraus gegeben von Eva und Klaus Herlitz, im Verlag Bostelmann & Siebenhaar erschienen (ISBN 3-936962-00-6). Darin werden die Idee, die Ziele und die Umsetzung des Projekts zusammengefasst. In alphabetischer Ordnung der Länder wird jeder einzelne Bär mit Abbildung vorgestellt. Die Interpretation des Künstlers und eine kurze Biografie ergänzen den Katalog, der zukünftig immer in der Landessprache des ausstellenden Landes plus in Englisch erscheinen wird. 500 farbige Abbildungen auf 250 Seiten machen auf die echten Bären neugierig.