Vereinte Bären

Sie repräsentieren eine ganze Nation. Ihre Nation. Ihr Lebensgefühl tragen sie auf dem Plastik-Leib, der Gesichtsausdruck zeigt Stolz, Strenge, manchmal Trauer. Mit erhobenen Armen wirken sie wie erstarrte Tänzer, leuchtend bunt die einen, schlicht die anderen. "Buddys" hat man sie getauft, diese riesigen Bären, die Künstler bemalt haben.

Am Brandenburger Tor hatten sich die "United Buddy Bears" im vergangenen Jahr versammelt, als Zeichen der Toleranz und der Solidarität. Jede der 125 in Berlin vertretenen Botschaften hatte einen Künstler beauftragt, den Buddy-Bären zu gestalten. Inzwischen sind viele Petze in die Botschaften oder die Heimatländer ausgewandert.

Was bleibt ist Erinnerung. Und die Fotografie: Die Künstlerin Beatrice Hoff hat einen Teil der Buddys festgehalten und zeigt sie jetzt in der Werkstatt der Kulturen. Da ist der grün-gelbe Bär von Renan Madrigal aus Nicaragua, mit weißem Kopf und rotem Herz am rechten Fleck. Er steht für Frieden, Hoffnung und Liebe in der Welt.

Mit Hibiskus-Blüten und Hornbill - Nationalblume und Nationalvogel - schmückte Karl Bendlin den malaysischen Bären. Auch die Twin-Towers von Kuala Lumpur sind zu sehen. Das Kunstwerk symbolisiert die Spannweite von Tradition und Fortschritt in Malaysia.

Eine Referenz an Preußen und eine Liebeserklärung an Österreich hat Arik Brauner auf seinen Österreich-Buddy gebracht. Die Beine sind mit Wasser bedeckt. Und die "schöne blaue Donau" taucht noch mal auf - als Musik in Gestalt von Johann Strauß und einer weiblichen Figur, der Musikalität.

Der Angolaner Moises Kuanza malte seinen Buddy als "Mutter N'Gola", mit Friedenstaube, Masken, dem Zeichen des "Denkers" auf dem Bauch. Bunte Farben verwendete auch Moise Ngolwa aus Kamerun. Sein Bär ist in den Nationalfarben grün (für den Regenwald), rot (für die Erde) und gelb (für die Savanne) bemalt. Den Bauch ziert das Denkmal der Wiedervereinigung, ein Turm mit zwei Armen in Form einer Spirale.

Die Mexikanerin Corina deI Carmel Tamez befasste sich bei ihrer Arbeit mit der Oberbaumbrücke, die sie als Symbol der Verbindung von Ost- und West-Berlin sieht. Ihr Bär ist mit roten Ziegeln bemalt; Bauch und Kopf sind hellblau und mit Uhren verziert: Die Vorderseite steht für die Suche, der Rücken für das Erwachen.

Gold-bunt schmückt sich der nepalesische Bär. Er zeigt ein Mandala, einen Diagrammkreis für Meditation, dazu Feuerring, Lotosblumenring und Kalligraphie. Der Petz sieht mit großen Augen in die Ferne, sein drittes Auge auf der Stirn sucht die Vision der Zukunft.

Manche Bären haben Menschengesichter, .andere bleiben gesichtslos. Sie sind mehr als einfach nur Kunst. Voller Hoffnung auf Frieden, auf Unabhängigkeit. Und voller Stolz auf die Heimat.

Werkstatt der Kulturen, Wissmannstr. 32,


Neukölln, Tel. 622 20 24


Bis 16.2., Mi-Sa 9-21 Uhr, So 11-16.30 Uhr.


Buch (7,95 Euro) bei Buddy-Bear GmbH, Tel. 22 33 32 07.


www.united-buddy-bears.com

Silke Böttcher