Berlins Kultursenator will eine Kunstaktion mit 120 Bären stoppen
Von Philip Grassmann
Berlin - Es ist erst ein paar Wochen her, da wurde Berlins Kultursenator Thomas Flierl vorgeworfen, er habe sich nicht deutlich genug geäußert. Damals ging es um die Stasi. Jetzt ist der Politiker von der Linkspartei wieder in die Schusslinie geraten - diesmal allerdings wegen besonders klarer Worte. So eindeutig und kantig wie selten in seiner Amtszeit hat sich Flierl gegen eine Kunstaktion auf dem Bebelplatz im Zentrum der Hauptstadt ausgesprochen. Dort sollen von Mitte Juni an rund 120 lebensgroße und bunt bemalte „Buddybären" im Kreis um das unterirdische Mahnmal für die Bücherverbrennung aufgestellt werden. Die Bären gehören zu einer weltweiten Wanderausstellung, sie repräsentieren rund 120 UN-Mitgliedsstaaten, und werben für Völkerverständigung. Insgesamt 1,1 Millionen Euro an Spenden für die Kinderhilfsorganisation Unicef wurden mit den Kunststofftieren bisher angeworben.
Flierl geht der Bärenkreis dagegen gewaltig gegen den Strich, und er sieht sich darin auch durch Kulturpolitiker aller Parteien unterstützt. „Spießige Buddybären" und „kitschiger Massenaufmarsch" nannte er die Skulpturen. Die Tiere, die seit fünf Jahren in immer wechselnden Bemalungen auch an vielen Orten in Berlin nicht zu übersehen sind, seien„ ästhetisch und moralisch verschlissen".
Besonders stört den Senator allerdings, dass die Bären die Wirkung des Mahnmals beeinträchtigen könnten. Der oberste Kulturpolitiker der Stadt bat den zuständigen Bezirk Mitte deshalb, die Aktion zu stoppen.
Pech für Flierl ist allerdings, dass die Jüdische Gemeinde das Projekt befürwortet. Das unauffällige Denkmal werde so in den Mittelpunkt gerückt und damit den Besuchern näher gebracht, heißt es in einem Brief an den Buddybär Erfinder Klaus Herlitz. Intention des Mahnmals und Symbolik der Bären ergänzten sich in „idealer Weise".