Peter Ustinov besucht Bärenparade

In vier Monaten mehr als eine Million Schaulustige bei der "United-Buddy-Bears"-Riege in Berlin

Berlin (MOZ) UNICEF-Botschafter Sir Peter Ustinov besuchte gestern die "United Buddy Bears" - 125 Bären, von 142 Künstlern aus aller Welt zum Leben erweckt. In einem Kreis am Brandenburger Tor werben sie für Toleranz. Bis zum 5. November, dann werden 40 Bären zu Gunsten der Kinderhilfsorganisation UNICEF versteigert.

Überall in Berlin lungern die bunten Buddy-Bären herum. Ob stehend, sitzend oder Handstand machend - sie amüsieren die Berliner und ihre Gäste an allen möglichen Ecken. Am 20. Juni dieses Jahres wurde der Buddy-Kreis am Brandenburger Tor eröffnet. Seither pilgerten mehr als eine Million Besucher zu den 125 Ehrenmitgliedern der Buddy-Bär-Sippe, die hier unison alle Männchen machen. Anarcho-Bären für wohltätige Zwecke, für die UNICEF.

Die Bären findet der Schauspieler Sir Peter Ustinov "entzückend". In einem Rollstuhl kommt er an, Farbe bekennend - die Hosenbeine so hoch gezogen, dass seine roten Strümpfe, die er immer trägt, hervorlugen. Farbe bekennend "für Toleranz". Gesundheitlich etwas angeschlagen, doch geistig topfit, präsentiert er sich geduldig den Fotografen, die 20 Minuten nach guten Motiven haschen. Sir Peter Ustinov mal breit lächelnd, mal die Zähne fletschend, dann die Hände nach oben Männchen machend, wie ein Bär heulend, breitet er leise seinen Anekdotenschatz aus, auf deutsch, englisch und französisch. Stets mit einer bissigen Pointe, aber auch mit einem Augenzwinkern. "Ich bin ein Atlas ohne Welt", ruft er in die Menge. "Selbst da machen Sie eine gute Figur", ertönt es.

Der Termin strengt Sir Ustinov sichtlich an, aber das hier ist doch Werbung für einen guten Zweck. Und dann noch vor dem englischen Bären, in den Händen eine Teetasse und -kanne. Sir Ustinov, Sohn eines russischstämmigen deutschen Journalisten und einer französischen Bühnenbildnerin, die Italiener und Äthiopier zu ihren Vorfahren zählte, ist 1921 in London geboren und dort viersprachig aufgewachsen. So ist das Multitalent ein Kosmopolit.

Und der ist angetan von der Berliner Bären-Riege, "die aber ganz und gar nicht demokratisch aussieht". Wieso denn? "Na, die machen alle dasselbe, beide Hände nach oben Männchen machen. Die müssen sich daran gewöhnen, ihr Ding zu machen." Haben sie schon, denn anderswo posieren sie in allen erdenklichen Lagen. "Wo sind denn die russischen Bären?", will er wissen. "Da", sagt Norbert Hujer, Projektleiter der "United Buddy Bears" und zeigt irgendwo hin. Aber es gibt nur einen. "Russische Bären, das müssen immer Tausende sein", so Sir Ustinov trotzig. "Gibt's denn auch einen irakischen Bär?" Nein, ruft der Maler Kani Alavi, gebürtiger Perser und seit 1980 in Berlin lebend. "Das muss nachgeholt werden, wenn wir hier über einen Universalfrieden sprechen", meint Sir Ustinov und erntet erst mal Schweigen.

Und so erzählt dann der Weltbürger von seinen Auftritten als UNICEF-Botschafter, der er seit 1969 ist, von den veränderten globalen Bedingungen, von den Anstrengungen für eine bessere Welt. Kofi Annan preist er "als den besten Generalsekretär, den die UNO je hatte, weil er den großen Mächten trotzt". Sir Ustinov philosophiert über das Unrecht in der Welt. Und weil der Erlös aus der Versteigerung von 40 Buddy-Bären am 5.November ab 19 Uhr im Museum für Kommunikation die Welt der Kinder ein bisschen besser machen soll, wird er wieder nach Berlin eingeladen. Vielleicht kommt er.

Dana Micke