Bundespräsident Köhler eröffnete am Montag die Image-Kampagne, mit der das Vorurteil vom langweiligen Deutschland verdrängt werden soll.
Mit einem kompakten Kultur-Angebot startete am Montag in Tokio das „Deutschlandjahr in Japan“. In über 750 Veranstaltungen wird sich die Bundesrepublik in den nächsten zwölf Monaten in der fernöstlichen Wirtschaftsmacht präsentieren, um verlorenes Terrain und Interesse wieder zurückzugewinnen.
Das Mega-Image-Projekt mit „klassischem“ Programm wurde durch Bundespräsident Horst Köhler und den japanischen Kronprinz Naruhito eröffnet. Sie durchschnitten im Tokioter Nationalmuseum das Band für die Ausstellung „Das Göttliche in der Kunst - Meisterwerke der Berliner Museumsinsel“. Danach traten im populären Einkaufs- und Unterhaltungskomplex „Roppongi Hills“ die „United Buddy Bears“ auf, eine Versammlung von 127 lebensgroßen Berliner Bärenskulpturen. Vier Solisten der Staatsoper Stuttgart interpretieren in einem Freiluft-Konzert Stücke aus den beliebtesten Opern von Wolfgang Amadeus Mozart und gaben zugleich einen Vorgeschmack auf das Gastspiel der Staatsoper Stuttgart im Februar 2006 in Tokio.
Für jeden etwas und intensiver als bisher, ist die Devise Deutschlands in Japan. Ein „Feuerwerk“ aus Kultur, Sport, Politik, Wirtschaft und Mode soll in Fernost gegen das hartnäckige Vorurteil ankämpfen, die Deutschen seien nur „fleßig, langweilig, stur“. Wie alarmierend tief der einst so gute deutsche Ruf in der Gunst der Japaner gesunken ist, zeigen gleich mehrere Studien. In der Hitliste der attraktivsten europäischen Länder, die Japans größte Werbeagentur Dentsu ermittelte, landete Deutschland auf Rang vier, weit abgeschlagen hinter Italien, Frankreich und Großbritannien, knapp vor Spanien. „Japaner verbinden mit Deutschland Leistungsstärke und Zuverlässigkeit, als modern und lustig sehen sie es nicht“, resümiert Dentsu. Besonders die Töchter Nippons - Trendsetter und Lieblinge des Konsums - „finden Deutschland nicht attraktiv“.
Die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Nordrhein-Westfalen stellte fest, „junge Japaner bringen Deutschland weit weniger Sympathie entgegen als ältere; das gilt auch für den Investitionsstandort“. Die Entscheidungsträger von morgen wenden sich anderen Regionen zu. „Wir müssen gerade die jungen Menschen mehr füreinander interessieren“, betonte der Bundespräsident auf einer Pressekonferenz in Tokio. Zu besichtigen sind die neuen Vorlieben der jungen
Japaner in den bevorzugten Shopping- und Flaniermeilen. Italiener und Franzosen präsentieren sich in den peppigsten und teuersten Boutiquen in Ginza oder Omotesando und erwirtschaften dort märchenhafte Gewinne. In Tokio gibt es über 6330 italienische und mehr als 2500 französische Restaurants - deutsche hingegen kaum mehr als ein Dutzend.
Solche Zustände lösten eine gewisse Panik unter den Deutschen aus, zumal selbst die besser aufgestellten europäischen Konkurrenten Handlungsbedarf in Japan sahen. So wird jetzt kopiert, was Italiener und Franzosen bereits erfolgreich vorexerzierten. Mit „Vive la France“ 1999 stiegen die Exporte französischer Lebensmittel um 30 Prozent, bei Wein sogar um rund 100 Prozent. „Bella Italia“ 2001 erhöhte den
Import italienischer Mode- und Lifestyleprodukte um fast ein Drittel. Auf ähnliche Wirkungen hofft das deutsche Team mit dem netten Logo der roten Sonne mit schwarz-goldenen Streifen - ohne jedoch die gleichen finanziellen Bedingungen aufzubieten. Während Frankreich und Italien (hier in erster Linie der Fiat-Konzern) allein für die Werbekampagne rund 50 Millionen Euro zur Verfügung hatte, können die deutschen Organisatoren mit dem Auswärtigen Amt an der Spitze von einer solchen Ausstattung nur träumen. Rund zwölf Millionen Euro sind aus Töpfen der öffentlichen Hand und von verschiedenen Institutionen zusammengekommen.
Das Maskottchen der deutschen Kampagne ist übrigens die Maus, die ja eine eigene WDR-Sendung hat.