Buddy-Bären: Internationale Künstler empört über Äußerungen des Kultursenators
Neuer Ärger für Berlins Kultursenator Thomas Flierl (Linkspartei.PDS): Gegen den Vorwurf des Senators, die Berliner Buddy-Bären seien Kitsch, wehren sich jetzt Künstler aus verschiedenen Nationen, die die überlebensgroßen Figuren gestaltet haben.
Flierl hatte in einem Schreiben an das Bezirksamt Mitte gefordert, die Genehmigung zur Aufstellung der United Buddy Bears zur Fußball-WM auf dem Bebelplatz rückgängig zu machen. In diesem Zusammenhang bezeichnete Flierl die Bären als "spießig, "ästhetisch und moralisch verschlissen" und "zu Maskottchen heruntergekommenen Werbefiguren". Den Kreis der internationalen Bären nannte er einen "kitschigen Massenaufmarsch".
Besonders empörten diese Äußerungen die japanische Botschaft. "Die Äußerungen sind eine Beleidigung für die japanische Künstlerin Suiko, die den Buddy-Bären für Japan gestaltet hat", so eine Botschaftsmitarbeiterin. Shogousai Soiko sei eine bekannte japanische Professorin für Kunst und Kalligraphie und habe in sehr kunstvoller Weise "ihren" Bären gestaltet. Ihre Arbeit als Kitsch zu bezeichnen, verletze eine gestandene Künstlerin, die hohes Ansehen in Japan genieße.
Auch die 29jährige koreanische Künstlerin Soo Kyoung Seo aus
Gwangju gehört zu den renommierten Künstlerinnen mit einem hohen künstlerischen Ansehen. Sie war von 2001 bis 2003 an der Hochschule der Künste in Berlin Meisterschülerin bei Prof. Georg Baselitz in Berlin. Werke von ihr werden auf der Prager Biennale ebenso gezeigt, wie auf der Biennale in Peking (China).
Der Künstler aus Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste) Koffi-Yao ist Professor an der Kunsthochschule in Paris und versteht sich ebenfalls nicht als Kitsch-Gestalter. Kene Done, Maler aus Australien, ist neben Nicole Kidman Unicef-Botschafter seines Landes. Er gestaltete während der Olympischen Spiele im Jahr 2000 und für die Rugby-Weltmeisterschaften im Jahr 2003 Ansichten von Sydney. "Auch für den australischen Buddy Bären wählte ich eine Variation des Sydneyer Opernhauses bei Nacht aus", sagte Done. "Genau wie die Mehrzahl der Australier wollte ich, daß der Buddy Bär heiter, optimistisch und einladend wirkt."
Klaus Herlitz hat gemeinsam mit seiner Frau Eva der Idee der Buddy-Bären entwickelt: "Die Anzahl renommierter internationaler Künstler, die einen der Berliner Bären als Botschafter ihres Landes künstlerisch bearbeitet haben, ließe sich anhand der mehr als 140 Buddy-Bären fortsetzen", sagt Herlitz. Kunst sei immer eine Frage des persönlichen Geschmacks. Er frage sich aber, wen Flierl mit der Aussage Kitsch treffen wollte: "Vielleicht sind die inneren Kernwerte des Kreises der United Buddy Bears einigen Kritikern nicht genug bekannt."
Anders als der Berliner Kultursenator und jene, die die Kitschdiskussion losgetreten hätten, gebe es Stimmen, die den Bärenkreis ganz anders beurteilten. So habe Bundespräsident Horst Köhler kürzlich in Sydney davon gesprochen, daß die Buddy-Bären für die Vielfältigkeit der verschiedenen Länder stünden. "Jeder Bär ist anders und doch haben sie die gleiche Form. Sie zeigt, daß alle Menschen und Völker zusammen gehören, sie zeigt, daß wir in einer Welt leben", sagte der Bundespräsident.
Außenminister Frank-Walter Steinmeyer (SPD) ging in seinem Urteil auch auf die künstlerische Qualität der Bären ein: "So verschieden wie die Menschen dieser Erde sind, so unterschiedlich sind auch die von Künstlern aus 140 Ländern gestalteten Buddy-Bären. Gemeinsam bilden sie ein einzigartiges Kunstwerk".
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) begeisterte sich schon sehr früh für die Idee der United Buddy Bären als Botschafter Berlins, die die Stadt in der Welt auf unnachahmliche Art bekannt machen. "Und wer dem Bären-Charme erliegt, kann seinen eigenen Buddy Bären ersteigern. Mit dem Erlös werden Unicef und andere Kinderhilfsorganisationen auf der ganzen Welt unterstützt."
Sowohl für Eva und Klaus Herlitz wie auch für jene Künstler, die sich mit ihren Arbeiten beteiligten, ist die Herabwürdigung dieses Gesamtkunstwerkes als "Kitsch" eine nicht zu akzeptierende Überheblichkeit. Bisher haben weltweit mehr als zehn Millionen Menschen die Berliner Buddy Bären bewundert. Mehr als 1,150 Millionen Euro wurden an die Unicef überwiesen. Herlitzens fragen sich: "Soll mit der ausgebrochenen Debatte vielleicht dem einen oder anderen Land der Stolz genommen werden, sein Land friedlich zwischen den anderen zu präsentieren?" Es sei der Sinn des Projektes, Denkanstöße zu mehr Toleranz zu setzen. "Und die vermisse ich in dieser Diskussion", so Herlitz.
Konrad Jahr-Weidauer