Kitsch oder Kunst - keine Frage

Von Gunnar Leue

Mit dem Kitsch ist es so eine Sache. Die ihn am meisten lieben, streiten gewöhnlich vehement ab, dass es sich überhaupt um Kitsch handelt.

So auch die Fans des Berliner Bären, der in seiner Form als buntes Plastiktier namens Buddy während der Fußballweltmeisterschaft 140-fach auf dem Bebelplatz stehen soll, um dort für „friedliches Miteinander, Toleranz und Völkerverständigung“ zu werben.

Leider kann von friedlicher Koexistenz mit dem Kultursenator keine Rede sein, denn Thomas Flierl will die dicken bunten Teddys dort nicht haben. Dass die vor fünf Jahren vom Bleistiftfabrikanten Klaus Herlitz erfundenen Buddy-Bären in aller Welt als drollige Botschafter Berlins freundlich aufgenommen wurden, mag ihn nicht milde stimmen. Kitsch bleibt für ihn Kitsch, da hilft auch kein Weltruhm und dass selbst der deutsche Außenminister die Plastikbären zu Botschaftern des weltoffenen Deutschlands in Australien erklärte. Es wäre interessant zu wissen, was die Australier wirklich darüber dachten, als ihnen ein paar stumme Knuddelbärchen aus Plastik als Repräsentanten Deutschlands präsentiert wurden und warum die für Weltoffenheit stehen sollen. |Man weiß es nicht. Fest steht aber, dass Kultursenator Flierl und einige andere Berliner, die „zu Maskottchen heruntergekommenen Werbefiguren“ nicht auf einem Platz sehen möchte, der das genaue Gegenteil von deutscher Weltoffenheit symbolisiert. Am heutigen Bebelplatz wurden zur Nazizeit Bücher verbrannt, woran ein unterirdisches Denkmal erinnert. Eine „uniforme Massenversammlung“ kitschiger Plastikbären findet Flierl dort deplatziert.

Allerdings hat der Kultursenator – dem generell das Spaßbremse-Etikett anhaftet – nicht mit der sprichwörtlichen Tierliebe der Berliner gerechnet, die erst recht das hauptstädtische Wappentier einbezieht. Vom Stadtbezirk bis zur Jüdischen Gemeinde wollen alle die bunten Bären aufgestellt sehen. Und auch der Regierende Bürgermeister Wowereit. Solche Fragen sind in Berlin eben Chefsache. Und beschlossen scheint überdies, dass Flierl im nächsten Senat keinen Platz mehr findet.