Für ein Bild mit einem der bunten Buddy-Bären strippen, klettern oder verrenken sich Berliner und Touristen
Angeblich soll sich erst vor wenigen Tagen eine junge Frau ausgezogen haben. Mitten am Tag, mitten auf dem Grünstreifen der Straße Unter den Linden, direkt vor einem Straßencafé. Nur um sich mit einem der Bären fotografieren zu lassen. So erzählt es jedenfalls Patrick Zöllner, 24 Jahre alt und Kellner in dem Straßencafé. Wenn er Kaffee oder Limonade serviert, sieht er den mannshohen Plastik-Bären mit aufgemaltem Smoking und Schärpe über dem dicken Bauch. Er weiß, dass sich die Geschichte übertrieben anhört. Aber sie sei passiert: "Ohne Scherz, am Ende hatte die Frau nur noch ihre Schuhe an."
Der Bär vorm Café ist einer von rund 140 "Buddy-Bären", die seit etwa einer Woche Unter den Linden, am Wittenbergplatz und am Kurfürstendamm stehen. Der Unternehmer Klaus Herlitz und seine Frau Eva haben Künstlern und Schulklassen weiße Bären-Rohlinge aus Kunststoff zur Verfügung gestellt. Die haben sie bemalt und gestaltet. Ein Jahr lang werden die Bären in der Stadt stehen. Nach und nach sollen sie versteigert werden. Der Erlös geht an wohltätige Einrichtungen.
Seit die Bären aufgestellt wurden, sind sie zu beliebten Fotomotiven geworden: Mutti links vom Bär, im Hintergrund das Brandenburger Tor, Mutti und Vati Hand in Hand vor dem Bären oder die Kinder in der Hocke neben dem Bären. Auch Elena Parro Durran besteht darauf, dass ihr Mann ein Bild von ihr und einem beigefarbenen, aufrecht stehenden Bären macht. Das Ehepaar ist aus Chile und besucht seinen Sohn in Berlin. Niedlich seien die Figuren, qué lindo, wie schön, sagt sie.
Der Bär vor dem Straßencafé hält beide Tatzen hoch in die Luft und verleitet die Leute zu akrobatischen Kunststücken. "Für ein Foto haben sich Jugendliche auf seine Tatzen gestellt und auf ihnen einen Handstand gemacht", erzählt Patrick Zöllner. Ihn amüsiert, was den Leuten beim Anblick der bunten Bären so einfällt. "Sie tätscheln ihnen die Schnauze, klatschen ihnen auf den Hintern oder steigen ihnen auf die Schultern." Und alles nur für ein Foto - egal ob japanische Touristen oder deutsche Männergruppen.
"Die Bären auf allen vieren finde ich am besten", sagt der 10-jährige Sören Schneider aus Wilmersdorf. "Die sind gut zum Klettern". Er ist mit seiner Schulklasse unterwegs. Die Kinder erkunden die Stadt, an der Siegessäule, am Reichstag und am Brandenburger Tor sind sie schon gewesen.
Seit neuestem gehören auch die Bären zu den Sehenswürdigkeiten. Die Lehrerin macht ein Erinnerungsbild der Klasse, während etwa 15 Kinder dicht aneinander gedrängt auf dem Rücken der Figur sitzen. Lore Schweizer aus dem bayerischen Reichertshausen fotografiert nacheinander jeden einzelnen der Bären, die entlang der Straße Unter den Linden stehen. "Diese Bären sehen genauso aus wie unser Hund Strolchi", sagt sie. Ihren sechsjährigen Foxterrier hat sie zum Stadtbummel aber nicht mitgenommen. Aber die Ähnlichkeit sei nicht zu übersehen."Wenn Strolchi Männchen macht oder am Tisch steht und gierig um Essen bettelt, guckt er ganz genauso", sagt sie.
Dilek Güngör