Ein Buddy für Pjöngjang

Berliner schafften ein kleines Wunder: Nordkorea beteiligt sich an der Buddy Bären-Schau in Seoul

VON PETER JACOBS

Der deutsche Botschafter in Pjöngjang war erleichtert. „Es freut mich", mailte Klaus Wendelberger dieser Tage aus der Hauptstadt der Demokratischen Volksrepublik Korea nach Berlin, „dass das scheinbar Unmögliche sich am Schluss hat realisieren lassen." Das scheinbar Unmögliche ist ein neuer Berliner Buddy Bär. Ein später Zugänger für jene bunten Gesellen, die vor zwei Jahren in Rondellformation neben dem Brandenburger Tor standen und sich derzeit auf Welttournee befinden. Das Besondere an ihm: Der Neue soll ein Nordkoreaner sein und er wird dem Rudel auf dem Luftweg hinterhergeschickt werden -nach Seoul, in die Hauptstadt Südkoreas, wo die Buddy-Bären-Ausstellung an diesem Sonnabend eröffnet wird.

Der Nachzügler wird in aller Eile im Spandauer Atelier der Firma Buddy Bär Berlin GmbH angefertigt. Zwei Mitarbeiter des staatlichen Pjöngjanger Kunststudios wurden via Peking und Frankfurt am 1. Oktober in Tegel eingeflogen. Beide sind erfahren in der Anfertigung dekorativer Kunstprodukte. Der 49-jährige Chang Pok Rim hat schon ein halbes Dutzend Aufträge im Ausland erledigt. Sein Partner, der 27-jährige Ik Hyon Kim entwirft im Kulturkombinat der nordkoreanischen Hauptstadt vor allem Werbeplakate für Großveranstaltungen und Fassadengestaltungen. Ein dreivierteljähriges zähes Ringen ging diesem eurasischen Künstlertransfer voraus. Seit der Olympische Park in Seoul als neuer Auftrittsort für Bären aus Berlin feststand, mühten sich Klaus und Eva Herlitz, die Ideengeber dieser Aktion für Toleranz und Kultur, um einen nordkoreanischen Gefährten für den Südkoreaner im Kreis der „United Buddy Bears". Die 140 Buddies, die von internationalen Künstlern gestaltet wurden und von denen jeder einen Staat repräsentiert, waren schon in Hongkong, Istanbul und Tokio.

Herlitz & Herlitz suchten unter anderem bei Botschaften, beim Auswärtigen Amt und beim Goethe-Institut Kontakt zu den Entscheidungsträgern in Pjöngjang. Der erste Vorschlag: Ein weißer Rohling wird nach Seoul gebracht und dort von einem Nordkoreaner bemalt. Eine eher naive Idee, bei der Kennern des eisigen politischen Klimas auf der koreanischen Halbinsel das Lächeln gefror. Der zweite Anlauf: Den Rohling nach Pjöngjang verfrachten, dort gestalten lassen und dann nach Seoul verbringen. Aber auf welchem Weg?

Mit Unterstützung der nordkoreanischen Botschaft in Berlin und des Goethe-Instituts funktionierte schließlich die dritte Variante: Die Künstler kamen auf Freitickets der Lufthansa nach Berlin. Jetzt herrscht Zufriedenheit bei. Buddy Bär Berlin. „Auch für uns grenzt das an ein kleines Wunder", sagt Klaus Herlitz. Und wenn dies alles nur eine symbolische Bedeutung habe, so solle es doch helfen, „die bislang verschlossenen Tore des geteilten Landes ein klein wenig weiter zu öffnen." In der Tat: Rim und Kim brachten einen Entwurf mit, der Traumlandschaften von beiden Seiten der koreanischen Halbinsel zusammen bringt. Sie spielen mit Feen, die auf einem Regenbogen herabsteigen und die Reinheit und Weisheit der koreanischen Nation symbolisieren. Und mit der Sage von der Geburt des Reichsgründers Dangun, der einer Verbindung des Himmelssohnes Hwanung mit einer in ein schönes menschliches Wesen verwandelten Bärin entsprungen sein soll, 2333 Jahre vor Christus. Alle Koreaner empfinden sich seither als Nachfahren dieser Bärin. Sie nennen ihr Land auch Pak Sa, die Bärennation.

Und nun: zwei Bärensöhne in der Stadt, die einen Bären im Wappen trägt. Es bleibt ihnen freilich kaum Zeit, sich in Berlin umzusehen und über eine andere ehemals geteilte Nation zu reflektieren. Ihr Tagesablauf zwischen der Werkstatt in Spandau und dem Hotel in der Nürnberger Straße ist streng limitiert. Die Zeit drängt. Am Montag müssen sie nach Pjöngjang zurück. In Seoul wartet unterdessen ein freier Betonsockel auf das Kunstprodukt. Den Nordkoreaner wird man an der Seite des Südkoreaners aufstellen, Tatze an Tatze.