Ein Bär für alle Fälle

Ein Bär für alle Fälle

Wenn Klaus Herlitz die Buddys zeigt, muss er immer auch auf die Gastgeber Rücksicht nehmen

 

01.08.2007

 

Lokales - Seite 24

 

Mathias Raabe

 

Klaus Herlitz ist Diplomat. Zugegeben, kein richtiger mit Diplomatenpass und Immunität. Aber der 49-Jährige braucht für seinen Job auf jeden Fall ziemlich viel diplomatisches Geschick. Etwa wenn er mit seiner bunt bemalten Buddy-Bären-Gruppe mal wieder eine Reise macht. Dann gilt es, wie gerade in Kairo passiert, sensibel Signale wahrzunehmen. So die, dass unter den dort präsentierten Zwei-Meter-Bären sich bitte möglichst keine nackten Bärinnen befinden sollten. Also hat Herlitz seinen Bestand an für Moslems zu sehr entblößte Bärinnen überprüft. Und da hatte beispielsweise die allzu freizügige Tänzerin aus Trinidad keine Chance mehr auf eine Reisegenehmigung. Aber in der ägyptischen Hauptstadt fand die von internationalen Künstlern bemalte Bärentruppe dafür begeisterten Anklang - rund eine Million Menschen kamen im Mai, um die 138 Buddies aus Berlin sehen.

 

Ab heute stehen die Buddy-Bären in Jerusalem - auf dem Safra Square vor dem Rathaus der Stadt. Und auch hier hat es von den Verantwortlichen eine spezielle Bitte gegeben. Die ist politischer Natur: Herlitz möchte doch bitte dafür sorgen, dass der Buddy aus Israel zwischen denen aus dem Irak und dem Iran platziert werden soll. Das sieht die alphabetische Reihenfolge eigentlich nicht vor - aber Herlitz ist dem nachgekommen. Schließlich ist das ja eine nicht zu unterschätzende Versöhnungsgeste der israelische Regierung. Denn dort ist die Bären-Parade ziemlich hoch angebunden.

 

Die israelische Außenministerin Tipzi Livni hat ein Grußschreiben geschickt und die internationale Bärenversammlung als die "mögliche Umsetzung der Vision des Propheten von einer vereinten friedliebenden Welt" bezeichnet. Von deutscher Seite ist die Schauspielerin Iris Berben persönlich dabei, die sich ja seit langem für die Aussöhnung mit Israel engagiert.

 

Auf jeden Fall rechnet Herlitz auch in Jerusalem mit einem ziemlichen Ansturm auf seine Bärengemeinde. "Wir hatten bislang weltweit 14 Millionen Besucher", sagt der Chef der Buddy Bär Berlin GmbH. Zu sehen waren die Plastik-Tiere, die aus einer Fabrik in Slowenien kommen und als unbemalte Rohlinge 1 800 Euro kosten, unter anderem schon in Sydney, Tokio, Istanbul und Hongkong. Und auf diese Popularität baut Herlitz auch. Denn ein Teil der Bären wird regelmäßig versteigert. "So haben wir für das Kinderhilfswerk Unicef 1,4 Millionen Euro zusammenbekommen", sagt der Bären-Chef. Der bisherige Rekord wurde in Hongkong geschafft. Für 13 Bären wurde die stolze Summe von 440 000 Euro erzielt. (zum Vergleich: im österreichischen Kitzbühel schafften acht Bären gerade mal 46 000 Euro). Herlitz weiß, wo das Geld konzentriert ist.

 

Deshalb hat er auch ein großes Interesse, dass immer neue Künstler aus möglichst allen Staaten dieser Welt (bisher hat er Talente aus 143 Ländern zusammenbekommen) einen Bären verschönern. Wo das Geld für die Reise fehlt, springen von Herlitz gewonnene Sponsoren ein - etwa die Lufthansa oder Air Berlin. Die Maler können sich dann in einem Atelier in Siemensstadt an die Arbeit machen. Denn schließlich ist die Unternehmung des früheren Schreibwaren-Herstellers Herlitz eine sogenannte Non-Profit-Firma. Soll heißen, alle eingenommenen Gelder gehen restlos an Unicef. Herlitz und seine sieben Mitarbeiter leben von der Vermarktung der Bären als Souvenirs. Über dort gemachte Umsätze wird allerdings nicht gesprochen.