Der Bär im Leopardenlook
René Chacón gestaltete in Berlin einen von 125 Bären
Kollegen aus zehn verschiedenen Ländern, aus Kanada, Äthiopien, Uruguay, Chile, England, Südafrika oder Österreich (für den Alpenstaat war Arik Brauer angereist) arbeiteten im Frühsommer zeitgleich mit Chacón vorort an ihrer ureigenen Version des Bären. "Das war schon eine interessante Atmosphäre, ein richtig internationales Flair", erzählt Chacón. Und ein interessanter Kunstvergleich. Florales hier, Ethnisches da, Narratives dort und Konkretes gleich daneben; besonders fasziniert spricht der Wahl-Ingolstädter heute noch vom kanadischen Kollegen, der aus seiner Heimat rucksackweise Scherben angeschleppt hatte und die ihm zugeteilte hohle weiße Bärenkunststoffform lückenlos mit den Resten von Omas gutem Porzellan beklebte.
Chacón selbst wählte für seinen Bären als Material nicht Scherben, sondern Farbe, und inhaltlich den Bezug zu den Mythen seiner ursprünglichen Heimat. Weil in Mittelamerika der Jaguar als die bedeutendste Gottheit galt, weil alte Kulte dem Leoparden huldigten, und weil dieser selbst in den Legenden häufig in der Verwandlung zwischen Mensch und Tier erscheint: Stellvertretend, so Chacón, lasse er diese Metamorphose nun zwischen Bär und Jaguar als zwei kraftvollen "Wappentieren" geschehen. Biologisch ist letzterer übrigens korrekt gesehen, gewissenhafte Studien in der Stadtbücherei halfen, dass beim "Jaguarbär" tatsächlich alle Flecken auf dem rechten Fleck zu finden sind - wenn auch in Acryl statt Fell. Bei den Vernissagenbesuchern der United Buddy-Bären kam das an: Als der symbolträchtige Riesenbärenkreis am 20. Juni vom Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit (Bild links zusammen mit René Chacón) vor 700 geladenen Gästen eröffnet und Chacóns Exemplar stellvertretend für den Kontinent Amerika enthüllt wurde, verliebte sich ein Düsseldorfer in das gefleckte Bärentier. Und gab prompt den Auftrag, dem Jaguarbären einen Zwillingsbruder zu bescheren. Weshalb, während der eine noch bis November mit seinen 124 internationalen Freunden am Brandenburger Tor Friedenswache hält, um dann in die EI Salvadorianische Botschaft umzuziehen, der andere gerade in Chacóns Mailinger Kunstschule im Entstehen ist, um später als Geschenk in einen nordrheinwestfälischen Kindergarten abzureisen. Die Achse des Bären zieht sich fort!
Karin Derstroff