Die Solidarität der Bären (Seite 1)

Der Bär im Leopardenlook

René Chacón gestaltete in Berlin einen von 125 Bären

Die Achse des Bären: EI Salvador - Ingolstadt - Berlin. Dort, neben dem Brandenburger Tor und "vermutlich von der Kuppel des Reichstags aus zu sehen", steht er im Kreis mit seinesgleichen und macht René Chacón damit alle Ehre. Vor der Ehre aber sorgte das Tier erst einmal für Spaß. "Die Woche in Berlin, das Arbeiten mit Künstlern aus aller Welt, die Vernissage, also das war schon toll", erzählt Chacón und sieht nachträglich noch ziemlich begeistert aus. Eher grimmig blickt dafür der Bär - ein 2,20 Meter großes Exemplar mit hoch gestreckten Armen, das das übliche niedliche Bärenimage erfolgreich einem neuen Outfit als Jaguar opferte. Die schwarz- braunen Leopardenflecken, der helle kühle Katzenblick, die Eleganz des Kopfes: "Das war besonders schwer", seufzt Chacón "diese dicke Bärenschnauze optisch zu verwandeln".

Verwandlung ist also das Zauberwort für den Ingolstädter Künstler, was sein eigenes Bärenkonzept betrifft, "United Buddy-Bears" hingegen das Stichwort für das gesamte (und ziemlich ungewöhnliche) internationale Kunstprojekt. Geboren aus der "Buddy-Bear-Show", der der Bundeshauptstadt vergangenes Jahr just for fun eine Reihe übers ganze Stadtgebiet verstreuter Bärenskulpturen als farbenfrohe, peppige Wappentiere bescherte, wurde die nachfolgende Idee, neuen Bärenplastiken auch eine politische Botschaft mit auf den Weg zu geben. "Es sollte ein Kreis aufrecht stehender Buddy-Bären entstehen, die sich symbolisch die Hand reichen und so einen Solidaritätskreis bilden", erzählt Projektmanager Norbert Hujer im dicken Katalog zum mittlerweile realisierten Plan. Dessen Clou: Aus (fast) aller Herren Länder sollten die Bären respektive ihre künstlerischen "Herrchen" stammen, um die Idee von Verständnis und Toleranz unter den Nationen besonders glaubwürdig ins Volks zu bringen. "Wir müssen uns besser kennen lernen" wollte ja immerhin als erklärtes Motto über der Aktion der Vereinigten Freundesbären stehen.

"Wir haben uns tatsächlich ziemlich gut kennen gelernt", lacht René Chacón. "Wenn man eine Woche lang Tag und Nacht zusammenarbeitet...". Der 42-Jährige war einer der 125 Künstler aus ebenso vielen mit Berlin in diplomatischem Kontakt stehenden Ländern aus vier Kontinenten, die sich schließlich an dem Projekt beteiligten - weshalb der sinnfällig neben dem einst trennenden Brandenburger Tor platzierte Bären-Kreis einen stolzen Durchmesser von über 50 Metern sein eigen nennen kann. Von der Botschaft EI Salvadors wurde Rene Chacón, der seit vielen Jahren im Herzen Bayerns lebt und von dort sein mittelamerikanisches Heimatland bei der Biennale in Venedig zu vertreten pflegt, in den Bären-Ring respektive vorher in ein riesiges Berliner Straßenbahndepot geschickt - das temporäre Atelier zur Bärenbearbeitung für je eine Gruppe von Künstlern aus aller Welt.