Für insgesamt 190 000 Euro wurden 46 der Kunststoff-Tiere versteigert / Der Erlös geht an Unicef
Berlin-Touristen verlieren eines ihrer beliebtesten Foto-Motive - die Buddy-Bären, die fast ein halbes Jahr lang auf der Wiese neben dem Pariser Platz im Kreis standen, sind weg. Am Dienstagabend wurden 46 der 125 Bären, die verschiedene Länder symbolisieren sollten, im Museum für Kommunikation versteigert. Der Rest geht an die Botschaften zurück, die die Bären gesponsert hatten.
Billig kam bei Auktionatorin Julia Theurkauf keiner weg: Den Höchstpreis erzielte der Großbritannien-Bär mit 6 200 Euro, gefolgt von den Exemplaren der Länder Frankreich und Barbados mit je 6 000 Euro. Am günstigsten war der weinende afghanische Bär, er brachte 2 000 Euro. Mit Schleuderpreisen hatte aber auch keiner der 400 geladenen Gäste gerechnet. Gekommen waren Diplomaten, Geschäftsleute und andere Berliner Bärenfreunde. Besonders ungeduldige Bieter hatten ihr Gebot schon vor Beginn der Auktion im Internet abgegeben. Theurkauf trieb die Preise für die bunt bemalten Riesenteddys aus Glasfaser weiter in die Höhe - und erreichte so den Erlös von insgesamt 190 200 Euro.
Damit die Bieter einen guten Blick auf die Teddys hatten, waren die auf der Galerie hoch über dem Festsaal aufgestellt worden. Unicef-Botschafterin und Fernsehmoderatorin Sabine Christiansen forderte die Gäste auf, großzügig zu bieten. Schließlich solle der Erlös des Abends hungerleidenden Kindern im südlichen Afrika zugute kommen. "Am liebsten würde ich gleich zwei oder drei Bären mitnehmen", sagte Sabine Christiansen. Dann stimmte der Chor der Berliner Internationalen Schule die Gäste der Auktion mit einem eigens komponierten "Buddy-Bär-Lied" auf den Abend ein.
"Ich kann mir überhaupt keinen schöneren und emotionaleren Gegenstand vorstellen als einen Buddy-Bären", warb Auktionatorin Theurkauf. Matthias Wendlandt von der Berliner Rialto Film GmbH ging es ähnlich. "Wie viel ich biete, hängt ganz von meiner Laune heute Abend ab", sagte der Medienunternehmer. "Zwei Bären könnten es schon werden." Mit der Bieterkarte in der Hand wartete er an einem Stehtisch auf den Beginn der Auktion. Die Bilder seiner Lieblingsbären hatte er sich aus dem Internet ausgedruckt. "Je bunter, desto besser: Die farbenfrohen Bären aus Afrika gefallen mir am besten", sagte Wendlandt. Die Gebote kamen in 100-Euro-Schritten. Matthias Wendlandt hatte sich neben dem schwarz-weißen Bären aus China nahe der Bühne in Position gebracht. Beim Bären von Angola steigerte er sich warm. Den Zuschlag bekam er aber erst bei Nummer acht, dem neuseeländischen Modell. "4 900 Euro zum Ersten, zum Zweiten - und zum Dritten." Theurkauf ließ den Hammer fallen, Wendlandt grinste zufrieden unter seinem Schnäuzer. "Bevor ich entscheide, ob ich den Bären im Garten oder in der Firma aufstelle, muss ich erst mal meine Kinder und meine Frau fragen", ließ Teddy-Neubesitzer Wendlandt noch wissen. Dann traf er sich zum Smalltalk mit Künstler Peter Hoffmann, der seinen Bären bemalt hat.
Der war erleichtert, dass sein Werk Wind und Wetter am Brandenburger Tor gut überstanden hatte. "Manche Bären haben ja angefangen zu schimmeln", sagte Hoffmann. Seine Motive hat der Künstler, der seit 25 Jahren in Berlin wohnt, von Münzen und Fotos aus seiner Heimat Neuseeland genommen: Tätowierungen der Ureinwohner zieren das Bärengesicht, Kiwis den Bauch, eine Gruppe anonymer Fußgänger den Rücken.
Schon zur Häppchenpause gegen halb neun hatte die Buddy-Bär-GmbH, die auch die übrigen Bären in der Stadt aufgestellt hat, mehr in der Kasse als die erwarteten 100 000 Euro. Auch der Museumsshop machte Umsatz. Hier gab es Miniatur-Bären zum Stückpreis von 49,90 Euro für Gäste wie ntv-Moderator Klaus Bresser: "Wir haben leider keinen Garten."
Rohlinge sind noch zu haben
Ein wenig traurig sei sie zwar, dass die Bären nun aus dem Stadtbild verschwänden, sagte Eva Herlitz, die die Idee für das Bären-Projekt hatte. "Aber ich freue mich, dass die Bären jetzt Berlins Ruf als fröhliche, völkerverbindende Metropole überall in der Welt fördern." Einen Trost für alle, die am Dienstag keinen Buddy-Bären abbekommen haben, hatte Bärenmutter Herlitz auch: "Rohlinge zum Selber-Bemalen sind weiter bei der Buddy-Bär-Berlin GmbH zu haben." Kostenpunkt: 1 523 Euro.
Steffen Gassel