Da lacht der Buddy Bär

Berliner Fremdenverkehrsbranche zieht wieder an: Steigende Besucherzahlen

Von Katrin Schoelkopf

Berlin - Er guckt schon ziemlich grimmig und zeigt Zähne. "Der dicke Schwarze da, das ist Deutschland." Berlin-Besucherin Carmen Dietrich aus Kiel weist einmal quer über den Platz, den russischen Bären, ein fröhlich geflecktes Tier, im Rücken. Der Buddy Bären Kreis direkt am Brandenburger Tor, ein bunter internationaler Farbtupfer quasi als Bekenntnis für alles Gute.

123 von 123 internationalen Künstlern bemalte Bären stellvertretend für 123 Länder der Vereinten Nationen. Sie werben für Toleranz und friedliches Zusammenleben. Warum dann gerade der deutsche Meister Petz so grimmig gucken muss, weiß Carmen Dietrich auch nicht. Über Besucher aus aller Welt kann sich die Bärenparade jedenfalls nicht beklagen. Gestern wurde seit Eröffnung der Ausstellung im Juli der millionste Bärenfan empfangen. Eine Dänin, Frida Seerup (68), die zum fünften Mal Berlin besucht. Ausgerechnet aber "ihr" Bär fehlt in der Bären-Runde. Die pensionierte Lehrerin nahm es gelassen und ließ sich vor dem australischen Tier ablichten.

35 000 Besucher kamen allein am Tag der Deutschen Einheit. Für den Berliner Bären, der ebenfalls in der Runde fehlt, Grund genug, wieder ein Tänzchen zu wagen. Nicht nur, dass Berlin im Vergleich der deutschen Städte die meisten internationalen Gäste anzieht. Auch die Tourismusbranche erholt sich nach Auskunft der Berlin Tourismus Marketing GmbH langsam wieder. Der 11. September 2001 und der Irak-Krieg Anfang des Jahres hatten insbesondere bei den Amerikanern, die das Gros der ausländischen Berlin-Besucher ausmachen, zu verändertem Reiseverhalten geführt. Nun aber könne von einer Trendwende gesprochen werden. Die Berlin Tourismus geht davon aus, dass der Rückgang der Besucherzahlen zum Jahresende gestoppt und bei den Übernachtungszahlen das Vorjahresniveau von elf Millionen wieder erreicht werden kann. Der Herbst, traditionelle Saison für Städtereisen, soll es richten, und die Zeichen stehen gut, sagt Natascha Kompatzki.

Von Januar bis Juli lag die Zahl der Übernachtungen noch bei nur 6,3 Mio., 0,3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Hotelgäste aber war mit 2,7 Mio. um 1,1 Prozent gestiegen. Dennoch sei die Hotelauslastung mit 45 Prozent noch unbefriedigend, was den Preiskampf verschärfe. Für den Touristen ein Plus. Denn mit Durchschnittspreisen von 98 Euro für das Hotel-Doppelzimmer, sei Berlin ein durchaus günstiges Reiseziel. Für die Berlin-Besucherin Carmen Dietrich und ihre Familie noch zu teuer. Im brandenburgischen Falkensee hat sie Quartier in einer Pension genommen.

Straßenbären

Die Idee, mit Buddy Bären für Toleranz und Völkerverständigung zu werben, stammt von Eva und Klaus Herlitz, Geschäftsführer der Buddy Bär Berlin GmbH. Sie haben 2001 die ersten Kunst-Bären auf Berliner Straßen aufgestellt. Seit Juli 2003 gibt es den Bären-Kreis am Brandenburger Tor: 123 Bären, bemalt von 123 Künstlern. Im Dezember gehen die zwei Meter großen Bären auf Welttournee, um 2006 in Berlin zugunsten von Unicef versteigert zu werden.

schoe