Berliner Buddy-Bären gehen nach Hongkong

Berlin (dpa) - Für Asiens Filmstar Jackie Chan war es Liebe auf den ersten Blick. Kaum hatte er bei Dreharbeiten in Berlin die gutmütig dreinblickenden Buddy-Bären entdeckt, gingen ihm die bemalten Fiberglas-Figuren nicht mehr aus dem Sinn.

Das hatte weit reichende Folgen: Von diesem Samstag (15. Mai) an ziert ein Kreis von 125 Berliner Bären Chans Heimatstadt Hongkong. Wie in den vergangenen Jahren am Brandenburger Tor sollen die Kunst-Bären auch in China für Toleranz und Völkerverständigung werben - mit Jackie Chan als Schirmherrn.

An internationale Tourneen hat Klaus Herlitz als Vater der Buddy-Bären beim Schöpfungsakt zu Beginn des Jahres 2001 nicht gedacht. Er ist ein ernster und bedächtiger Mann Mitte 50, nur seine Bärenkrawatte verrät Passionen. «Diesen Erfolg konnten wir nicht ahnen», sagt er. Vielleicht liegt die Buddy-Bären-Story einfach jenseits des reinen Erfolgsdenkens - als Mischung aus cleverer Geschäftsidee, Kunstprojekt, Berlin-Werbung und Wohltätigkeit. Vorbilder gab es genug, New York warb zu dieser Zeit mit Kühen.

Den Charme der bunten Stadt-Bären hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) schnell auf den Punkt gebracht: «Das kostet Berlin nichts und bringt viel Ehre ein.» Die schuldengeplagte Hauptstadt kostete die Invasion der Buddy-Bären in der Tat nichts. Ganz freiwillig kauften Geschäftsleute kiloschwere Rohlinge, die Studenten der Berliner Kunsthochschule entworfen hatten. Als bemalte Werbe-Ikone stand das Berliner Wappentier dann vor vielen Läden. Im Sommer 2003, als vor der FDP-Zentrale ein Politbär mit einer 18-Prozent-Marke warb, war der Zenit der mehr als 500 Marketing-Petze überschritten. Sie durften nicht mehr auf öffentlichem Grund stehen.

Doch da hatten Klaus Herlitz, seine Frau Eva und Projektmanager Norbert Hujer längst die nächste Idee. Sie erdachten den Kreis der «United Buddy Bears» am Brandenburger Tor. Die Bären standen für alle Staaten, die mit Deutschland diplomatische Beziehungen unterhalten. Sie wurden von Künstlern des jeweiligen Landes kunstvoll bemalt, und die Rechnung zahlten die Botschaften. Sogar der Irak stellte im Kriegsjahr 2003 einen Petz auf.

Die heitere Bärenversammlung lockte zwei Sommer lang mehr als eine Million Berlin-Touristen an. Von diesem Bekanntheitsgrad profitierte die nächste Aktion: Die Versteigerung der Bären zu Gunsten des Kinderhilfswerks Unicef. Mehr als eine halbe Million Euro haben die Buddys bisher für Kinder eingespielt. Von Sabine Christiansen bis zum jüngst gestorbenen Sir Peter Ustinov haben Prominente für den guten Zweck und die Petze geworben.

China soll nicht die Endstation sein. Mit Paten wie Jackie Chan und potenten Sponsoren visiert die sechsköpfige Berliner Buddy- Bären GmbH die nächsten Ziele an: Shanghai, Peking, Tokio, Seoul. Die Firmenfinanzen regeln sich derweil durch den Buddy-Verkauf an private Interessenten. Ein Kreis von Mini-Bären wirbt dafür am Kranzler-Eck nahe des Bahnhofs Zoo, und es gibt auch noch die Internet-Präsenz. 50 000 Zugriffe pro Monat habe diese Seite, sagt Norber Hujer. Er ist überzeugt: Die Bären schaffen es noch um die ganze Welt. (dpa)