Bärige Gottheit soll Botschafter sein

Die Mainzer Malerin Johanna Koch gestaltet für Ägypten ein Symbol der Völkerverständigung

Von unserem Redaktionsmitglied Birgitta Melten

Als hätte ein Bär sich als Pharao Tutenchamun verkleidet. Aber mit Stil: Die türkis-goldene Totenmaske des ägyptischen Herrschers aus der Zeit um 1300 vor Christi verleiht dem aufrecht stehenden Grizzly eine geheimnisvolle Note. Dazu noch Hieroglyphen auf dem Rücken, die Göttin Nut auf dem Bauch, Stiere und tanzende Orientalen an den Beinen – und schon ist aus dem König der Wälder ein König der Pyramiden geworden. Ägypten ist zwar nicht unbedingt das bevorzugte Territorium dieser Spezies.

Dennoch wird der Bär jetzt zum Maskottchen des Landes am Nil: Im Auftrag der ägyptischen Botschaft hat die Mainzer Künstlerin Johanna Koch den Riesenteddy bemalt. Gemeinsam mit weiteren 183 Artgenossen aus aller Welt wird er am 20. Juni auf dem Pariser Platz in Berlin Position für Völkerverständigung beziehen. Nach der Aktion ist geplant, die Bären zugunsten von Unicef zu versteigern.

Die Teilnahme an dem von einer GmbH mit dem treffenden Namen "BuddyBear" initiierten Projekt geht auf eine Ägypten-Reise von Johanna Koch zurück. Die Psychotherapeutin und Malerin besuchte 2001 den Orient. Ihre Begeisterung für Land und Leute schlug sich in einer Werkreihe von 15 großformatigen Acrylbildern nieder. Diese Arbeiten stehen bei Johanna Koch in einer Tradition archaischer Themen, die sich schon vorher um Mythen und Formen vorwiegend des afrikanischen Raums drehten.

Bis zu ihrer Ägypten-Reise arbeitete die gebürtige Mainzerin, die Mitglied des Essenheimer Kunstvereins ist und dort auch in der Gruppenschau "10x10" vertreten war, an einer Serie Frau und Stier. Mensch und Tier dominieren auch ihre Ägypten-Bilder: Sie sind bevölkert von ernsten, schmalen Figuren mit strahlend weißen Turbanen, auf die baumhohe Kamele hoheitsvoll herabblicken.

"Unter dem Eindruck des 11.Septembers und der starken anti-arabischen Stimmung danach" habe sie dann Kontakt mit der ägyptischen Vertretung aufgenommen, berichtet Johanna Koch. In der Botschaft stießen ihre Bilder sofort auf Interesse, und am 18.April wurde dort eine Ausstellung damit eröffnet, die noch bis zum 21.Juni zu sehen ist.

Als dann die 184 Botschaften für das Bären-Projekt gewonnen wurden, fiel die Wahl der Ägypter auf die Mainzerin. Für jede der ausländischen Landesvertretungen in Deutschland gestaltet derzeit ein Künstler den zwei Meter großen, rund 60 Kilogramm schweren Bären-Rohling aus Glasfaserpolyester. In rund 1000 Arbeitsstunden bemalte Johanna Koch ihren Bären, den sie am Sonntag mit einer Bärlissage verabschiedet. Er trägt die Zeichen des alten Ägyptens: Das Heilige Auge, das Lebenszeichen Anch, die Göttin Nut auf dem Symbol für Gold und Hieroglyphen, die sie einer Abbildung des Pharao Ptahotep entlehnt hat. Die Übersetzung ist beziehungsreich: "Man kann die Grenzen der Kunst nicht erreichen und kein Künstler ist im Besitz der Vollkommenheit". Und dazu blickt der Geselle aus der Maske Tutenchamuns.

Es sollte eine Tiergottheit herauskommen, war sich Johanna Koch von Anfang an sicher, "und dazu musste ich irgendwann die Entscheidung treffen, ins Gold zu greifen". Und dieses Gold wird glänzen – "leider", sagt die Malerin, werde der Bär vor seiner Reise nächste Woche nach Berlin noch mit Autolack glasiert. Aber nur das präpariert ihn für das Bärentreffen: Auf Sockeln, die das Land, den Künstler und – noch zu findende – Sponsoren nennen, bilden die 184 Bären vier Monate lang einen Kreis, halten sich an den Händen. Ein Bild dafür, dass die Völker bei aller Unterschiedlichkeit in der Basis doch gleich sind.