WAZ Berlin. Sie sind exotisch bemalt, mit Steinchen besetzt, gefesselt oder durchlöchert - doch eins haben alle "United-Buddy-Bears" gemeinsam: Sie recken sich in den Berliner Himmel und reichen sich die Tatzen.
Für Toleranz und Völkerverständigung wirbt die Kunstaktion in Berlin. 125 Künstler aus 125 Ländern von Ägypten bis zur Zentralafrikanischen Republik haben je einen Berliner Bären gestaltet.
Die bärigen Kunstwerke stehen jetzt alle in einem großen Kreis, die Gesichter einander zugewandt, auf dem Gebiet zwischen dem Brandenburger Tor und der Behrenstraße. Dort, wo durch Berlin einst die Mauer führte. Sie ist zerbröckelt - wie die Wand auf dem Bosnien-und-Herzegowina-Bären. Etwa zwei Meter hoch und 1,20 Meter breit sind die Tiere aus Fiberglas. Und bevor die Künstler die Pinsel anlegten, waren sie alle gleich weiß.
Gemeinsam ist ihnen jetzt nur noch die bärig-pummelige Figur. Ihre Pelze sind so unterschiedlich wie die Länder, die sie von der Pranke über Popo und Bauch bis zum Kopf präsentieren. Von abstrakt bis gegenständlich reichen die Kunstformen: Einige der Künstler verewigen Landschaften oder typische Landeskleidung, andere setzen mehr auf Symbolik. Osman Akbar gedenkt auf dem afghanischen Bären der durch 20 Jahre Krieg Vertriebenen, der Bauch des ansonsten braunen Tiers gibt den Blick frei auf ein Zelt mit Frau und Kind.
Der deutsche, knallbunte Meister Petz zeigt die Wappen der Bundesländer, an der Stelle des Herzens weht eine deutsche Flagge. So will es Dagmar Schmidt. Einen Bären mit Heiligenschein und Maske schuf der Italiener Gio Di Sera.
Der jugoslawische Bär blickt starr, er ist fast weiß geblieben, Bauch und Kopf sind übersät mit Einschusslöchern. Die Assoziation zum Balkankrieg drängt sich auf. Doch Mirko Ognjanovic fragt nach den Gründen für das Artensterben.
Valeri Kurtu zeigt mit satirischen Comicdarstellungen wichtige Ereignisse der letzten 20 Jahre in Moldawien.
Die flatterhaften Aktien-Kurse zeigt Ludmila Seefried-Matìjková mit ihrem in die tschechische Flagge gehüllten Bären, der als Börsen-Symbole Bär und Stier auf Tatzen trägt.
Witzig: Das Kronjubiläum mit Teeservice und Fotos verewigt der Engländer Jonathan Petch, und Otto Jasper Stuurman malt dem niederländischen Bären das Herz an den niederländisch rechten Fleck - genau zwischen die Beine.
Man ist ja nicht umsonst das gepriesene Land der Toleranz und freien Liebe. "Wir müssen uns besser kennen lernen, dann können wir uns besser verstehen, mehr vertrauen und besser zusammenleben", ist das Motto der Ausstellung der Buddy Bär Berlin GmbH und des Vereins Initiative Toleranz, gesponsert von Botschaften, Honorarkonsulen und Unternehmen.
Eine kurzweilige Ausstellung unter freiem Himmel, zu sehen bis November 2002. Dann ziehen die Bären um in ihre Botschaften, in ihre Heimatländer oder werden zugunsten von Unicef versteigert.
Infos: www.united-buddy-bears.com
Liliane Zuuring