Am 1. August schmolzen an der Berliner Friedrichstrasse zwei Bären aus Eis vor sich hin. Rund- herum vergnügten sich viele Menschen. Sie trugen Hochglanzprospekte unter dem Arm, auf denen schöne glückliche Menschen auf Eiger, Mönch und Jungfrau Schweizer Schokolade assen und an ihrem Arm eine Schweizer Uhr trugen.
Kombiniere: Der Schweizer Botschafter Werner Baumann hatte samt roter Krawatte und Edelweiss die Berliner zur traditionellen Begehung des Schweizer Nationalfeiertags eingeladen und diesen zu einer Promotions-Tour für den Kanton Bern gemacht. Aber warum zwei Bären?
Mutz, Petz - und «unser» Bär?
Ein bärenhungriger Berliner erklärte, Gratis-Wurst-Käse-Salat kauend, der eine schwitzende Bär sei der Berner «Mutz», der andere der Berliner «Petz». Klar doch! Sowohl Berlin als auch Bern tragen einen Bären im Stadtwappen. Und St. Gallen. So auf Bären aufmerksam gemacht, hielt der St. Galler Gast von nun an in den Berliner Strassen Ausschau nach weiteren Exemplaren. Und tatsächlich: Berlin betreibt mit seinem Wappentier Imagepflege und Standortmarketing. Zum Beispiel mit den Buddy Bären. Das sind rund eineinhalb Meter grosse farbige Petze. Die Buddy Bären wurden vor drei Jahren von ein paar findigen Köpfen lanciert. Manchmal stehen sie auch Kopf. Zudem kann man sie in Miniaturform kaufen, ganze Tische sind voll davon. «Everybody needs some buddy» steht auf ihnen, oder einfach «Welcome in Berlin». Immer wieder sieht man Touristen, die ihr persönliches Erinnerungsfoto mit Buddy Bär machen. Ja, es gibt Berliner Geschäftsherren, die ihrer Filiale in China Lokalkolorit verleihen wollen, einen Buddy Bär kaufen und diesen den staunenden Nicht-Berlinern vor die Firma stellen. Wieder nach Hause gekommen, hält der St. Galler Ausschau nach der Präsenz seines Wappentieres in der Öffentlichkeit. Immerhin, die Biberbären gibts, dazu den Bärenplatz mit einem gut versteckten netten kleinen Bären drauf, Corinne Bromundt befindet sich gerade zum 100. Mal auf der Fährte des Stadtbären - dann wird es schwieriger. Da war doch einmal die Initiative, Bären im Wildpark St. Peter und Paul anzusiedeln - so eine Art St. Galler Bärengraben. Und dann hat uns noch das Entsorgungsamt mit dem Saubär die konsequente sympathische Vermarktung des Wappentiers vor Augen geführt. Was dem Herrn Mäder aus der spitzen zeichnerischen Feder von Manuel Stahlberger ein treues Haustier namens Bärsau bescherte. Eigentlich wäre es ja einfach: Der Bär ist in hohem Mass ein Sympathieträger, und je geschickter man sich mit Sympathieträgern in Verbindung bringt, um so sympathischer erscheint man auch selber. Berlin und Bern machen es vor - warum St. Gallen nicht? Erst recht, wenn man die Ursprungslegende bedenkt. In Bern wurde kurzerhand das Tier zum Wappentier erklärt, das dem Stadtgründer Herzog Berchtold eines schönen Tages vor Pfeil und Bogen lief - typisch für Menschen, die gewohnt sind, Probleme mit dem Zweihänder zu lösen. Bei uns hingegen redete Gallus mit dem Bären, und der verstand ihn offensichtlich. Ein Vorläufer der Versöhnung zwischen Mensch und Tier, ein Friedensbewegter der ersten Stunde!
Natürliche Ansiedlung?
Immerhin: Astrid Nakhostin, Marketingleiterin Bodensee-Tourismus, weiss zu berichten, dass auf dem Tourismusbüro vor einigen Jahren schöne schwarze «St. Galler Bären» zu verkaufen gewesen seien. Gar keine Ladenhüter seien sie gewesen, trotz des Preises von gegen 30 Franken. Man überlege sich, ob man solche wieder verkaufen wolle. Die andere Variante: Wir warten einfach, bis sich der Bär auf natürlichem Weg wieder in der Ostschweiz ansiedelt. In den Alpen soll er sich bereits aufhalten. Da sind es nur noch ein paar Jahrhunderte bis in die Voralpen. (kl)
Ferienträume, die bleiben
Die Sommerferien sind vorbei. Bald halten nur noch Fotos die Erinnerungen fest. In einer kleinen Serie berichten Mitglieder der Stadtredaktion über das, was ihnen anderswo Eindruck gemacht hat. Ganz einfach deshalb, weil es das in St. Gallen nicht gibt - noch nicht gibt; denn Träume könnten ja auch einmal wahr werden. Bisher in der Reihe erschienen: Holland, 18.8., Genf, 20.8. (red.)