Jetzt werden Sie eingefangen und verkauft
Noch ist Schonzeit. Touristen nehmen sie ins Visier, schießen nur Fotos. Aber am 5.November bricht das Jagdfieber aus. Der Hammer kreist. Unsere Bären gegen Höchstgebot erlegt - das Ende der Bärlinale. "Wenn bei mir Bilder und Sofa lange an einer Stelle sind, gewöhne ich mich dran. Es wird langweilig", sagt Klaus Herlitz (54). Der Mann, der uns die Bären aufgebunden hat, will durch die Tatze sagen: "Irgendwann hat sich so eine Aktion überholt."
Ausgerechnet im November. Wenn Kälte und Nebel durch die Stadt kriechen, sollen die Kletter-Kumpel aller Kinder, die Farbkleckse für unseren trüben Großstadt-Seelen aus dem Straßenbild verschwinden? "Viele werden für einen guten Zweck versteigert", tröstet der Initiator.
Zwei Sommer lang tanzten sie auf dem Kudamm, machten Unter den Linden Kopfstand. Allein viermal brummten sie im japanischen TV, selbst auf den Seychellen, in Gabun (Afrika) guckten sie in die Gesichter der Zeitungsleser.
Über 300 begegnen uns in der Stadt, rund 200 wurden exportiert. Der Regierenden Klaus Wowereit (SPD) schenkte sie z.B. Kollegen in Rom und Warschau. Und nach dem 11. September hellt einer Blicke wunder New Yorker auf.
Ende des Jahres läuft ihre Sondererlaubnis zur Nutzung des Straßenlandes aus. Aber da ließe sich was machen. "Die sind ja fast schon Bestandteil der Straßen. Ich hätte kein Problem damit wenn auch die Bezirke einverstanden sind", sagt Hans-Jürgen Frey, Straßenrechts-Experte des Bausenats.
Bären-Papa Klaus Herlitz (1997 als Vorstand des Papier-Konzerns ausgestiegen) verkauft mit seiner Firma (4 Mitarbeiter) die Bären-Rohlinge. Das Stück für 1520 Euro.
Meist an Sponsoren, die sie bemalen lassen. Neben dem Brandenburger Tor bilden 125 einen Kreis - jeder von einem Künstler aus einem anderen UN-Land. Eine solche Runde der Völkerverständigung möchte Herlitz 2003 als Berlin-Botschafter jeweils sechs Wochen in unsere Partnerstädte schicken (Sponsoren gesucht). Wenigstens da könnten Berliner ihre Lieblinge wiedersehen.
HILDBURG BRUNS