Sie stehen im Kreis, Tatze an Tatze, den Blick nach vorn gerichtet, die Arme in die Höhe gestreckt. So als warteten sie nur noch auf ein Signal, den Tanz zu eröffnen. Die 125 bärigen Statuen, die bis November auf dem Gelände der zukünftigen US-Botschaft am Brandenburger Tor stehen, sind nicht nur Symbole für ein friedliches Mit- und Nebeneinander der Vereinten Nationen. Jeder einzelne Bär trägt die Handschrift eines Künstlers, der sein Land verewigt. Die Bären-Ausstellung zu studieren, die UNICEF-Botschafter Sir Peter Ustinov und die Initiatoren Eva und Klaus Herlitz am Dienstag eröffneten, ist wie ein Streifzug durch die Welt. Jeder Bär erzählt die Geschichte eines Landes.
Für Afghanistan hat die Künstlerin Nasima Sheerzoi (geboren 1948 in Kabul) den Pinsel geschwungen. Auf dem Bauch des Bären befindet sich eine afghanische Mutter mit ihrem weinenden Kind. Sie verkörpert erlittenes Leid in drei Jahrzehnten Krieg.
Raouf Simaan aus Kairo ließ auf seinem Bären Grab-Bemalungen aufleben. Die alten Ägypter malten auf Gräber Szenen, die sie aus ihrem Alltag kannten: das Leben in der Nil-Region, Tiere, Vögel, Fische und so weiter. Die angolanische Buddy-Bärin verleiht derweil ihrer Lebensfreude Ausdruck: Sie lebt in Harmonie mit dem gefährlichsten aller Dschungelbesucher - der Schlange. Sie akzeptiert auf ihrem Bauch das Miteinander verschiedenster Lebewesen und signalisiert damit den Wunsch nach harmonischem Leben. Endloser Himmel, rote Erde, Flora und Fauna in schimmernden Facetten: Ute Faber wählte bunte Farben, Kreise, Punkte und Linien, um das Lebensgefühl der Australier zum Ausdruck zu bringen. In der Mitte des Bären-Bauchs fehlt natürlich auch das Känguru nicht, der berühmteste "Einwohner" des weiten Landes.
Der Bär aus Bahrain (von Künstler Yaqoob Al Hamad) ist weiblich. Sie trägt ein traditionelles Kleid der Bahraini-Frauen und eine Perlenkette um den Hals. Die Perlen stehen für die historische Kunst des Perlentauchens. Sie werden im Land "Blume der Ewigkeit" genannt. Igor Ermakov (geboren 1964 in Slusk, Weißrussland) lebt in Berlin, weil er sich auf einer Reise hierher spontan in die deutsche Hauptstadt verliebt hat. Berlin ist seine zweite Heimat, Weißrussland die erste. Der "Pionier-Bär" ist eine Hommage an Berlin, verziert mit Details aus seiner Heimatstadt Slusk und dem Dorf Stragi, in dem seine Großmutter lebte. Im November gehen die Bären auf Welttournee. Anschließend sollen sie wieder einmal für UNICEF versteigert werden.
Mehr Infos zu den Bären gibt es unter www.buddy-baer.com oder in "United Buddy Bears - Die Kunst der Toleranz". Verlag Bostelmann & Siebenhaar, 252 Seiten, 9,90 Euro
Anja Popovic & Franziska v. Mutius