Angriff auf die Buddy-Parade

Kultursenator Flierl (Linkspartei) mag keine bunten Plastikbären auf dem Bebelplatz

Ausgerechnet jener Senator, dem ein sonst so prekäres Verhältnis zur pointierten Stellungnahme nachgesagt wird, findet hier die vielleicht deutlichsten Worte seiner Amtszeit: Ein "kitschiger Massenaufmarsch" sei dies, "spießig" und "banal", eine "Freudengruppe von zu Maskottchen heruntergekommenen Werbefiguren", "ästhetisch und moralisch verschlissen" und Berlins, der Unesco-Stadt des Designs, unwürdig. Also spricht Kultursenator Thomas Flierl (Linkspartei) über die so genannten Buddy-Bären, jene übermannsgroßen Plastiktiere, die als bunt bemalte Straßenfiguren in Berlin und dem Rest der Welt inzwischen zu Hunderten herumstehen. Erfunden hat sie der Ex-Bleistift-Fabrikant Klaus Herlitz vor fünf Jahren, er verkauft sie in verschiedenen Ausführungen mittels seiner Buddy Bär Berlin GmbH und veranstaltet dazu Benefizauktionen, zu Gunsten etwa von Unicef.

Gleich auf Weltreise ging dabei die Wanderausstellung "United Buddy Bears" - zu Deutsch so viel wie: Vereinte Kumpelbären -, bestehend aus gut 120 kreisförmig arrangierten Buddys, bemalt von gut 120 Künstlern aus gut 120 Ländern. Nach Stationen in Tokio, Hongkong, Sydney, stets verbunden mit Spendenaktionen für bedürftige Kinder, sollen die Bären nun während der Fußball-Weltmeisterschaft wieder in Berlin gastieren: Mitten auf dem Bebelplatz, in einem großen Kreis um das dort im Boden versenkte Mahnmal der nationalsozialistischen Bücherverbrennung von 1933. Genau dieser Plan ist es, der Thomas Flierl missfällt.

Und nicht nur ihm: Denn Flierl schrieb jetzt im Namen des Kulturausschusses einen Brief an den Bezirk Mitte. Darin bittet er "eindringlich", die Bären-Genehmigung zurückzuziehen. Berlin würde sonst, so Flierl, die "internationale Öffentlichkeit mit einem verantwortungslosen Umgang mit der deutschen Zeitgeschichte brüskieren". Das Argument: Ein "Spalier von Werbebären" banalisiere den Gedenkort auf unerträgliche Weise.

Außerhalb des Kulturausschusses, in dem sich auch CDU und Grüne gegen die Bärenparade aussprachen, stößt Flierls Vorstoß aber nicht auf Unterstützung. Buddy-Erfinder Herlitz etwa verweist kühl auf vielfaches internationales Lob für seine Aktion - sowie auf ein Schreiben der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, die das Mahnmal des israelischen Künstlers Micha Ullmann durch den Buddy-Kreis "in idealer Weise" ergänzt sieht, weil es doch in beiden Fällen um Toleranz und Völkerverständigung gehe.

Auch der Senatssprecher und WM-Beauftragte Michael Donnermeyer kann mit der Buddy-Schelte wenig anfangen. Die Bären seien zwar Geschmackssache, aber harmlos, sagt er: "Da wird mit zu großem Kaliber auf eine gute Sache geschossen." Und Dorothee Dubrau, grüne Baustadträtin in Mitte, erklärte, die Bärenrunde sei erstens eine politische und keine Kunst-Aktion - und zweitens sogar der persönliche Wunsch des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit gewesen. Warum man im Senat nicht miteinander rede, wisse sie aber auch nicht.

Knapp tausend Stück

Idee: Klaus Herlitz, einst Chef des Berliner Büroartikelherstellers Herlitz, ließ im Jahr 2001 die ersten "Buddy Bären" (natürlich dem Berliner Wappentier nachempfunden) gießen und aufstellen. Sie sind aus weißem Hartplastik und können beziehungsweise sollen individuell bemalt werden - meist von Künstlern. Herlitz vertreibt sie als Geschäftsführer der Buddy Bär Berlin GmbH.

Erfolg: Die Bären wurden schnell zum Erfolg, Firmen kauften sie für ihre Repräsentanzen, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit nahm sie (gelegentlich) als Gastgeschenk mit auf Dienstreise, in vielen Touristenläden werden transportable Mini-Buddys angeboten. Im Umkreis von Berlin stehen inzwischen zirka 200 große Buddy-Bären, in allen fünf Kontinenten noch einmal geschätzte 750 - macht insgesamt knapp tausend Stück weltweit.

Spenden: Die Popularität der Bären wird dabei regelmäßig für Spendenaktionen zu Gunsten bedürftiger Kinder genutzt. Laut Herlitz kamen unter anderem über Versteigerungen von Buddy-Bären und über Spendenanteile beim Verkauf von Katalogen und Büchern bislang 1 127 000 Euro für Unicef und lokale Kinderhilfsorganisationen zusammen.

Vereinte Bären: Die Wanderausstellung "United Buddy Bears", bei der jetzt fast 140 Bären von Künstlern aus ebenso vielen Ländern der Welt bemalt wurden, besuchten in Tokio rund drei Millionen Menschen, in Sydney etwa eine Million. Motto der Tournee, finanziert mittels Sponsoren: "Wir müssen uns besser kennen lernen - dann können wir uns besser verstehen, mehr vertrauen und besser zusammenleben."

Unterstützer: Lob für die Initiative gab es etwa von Horst Köhler, Frank-Walter Steinmeier, Joschka Fischer, Klaus Wowereit und den Unicef-Botschaftern Jackie Chan, Peter Ustinov und Sabine Christiansen.