Versteigerung zu Gunsten von UNICEF / Der indonesische Maler lebt und arbeitet seit fünf Jahren in Eichstätt
Eichstätt (klf) Der Indonesier A. H. Purnomo ist Maler, seit er denken kann, und er ist seit fünf Jahren in Eichstätt verheiratet und ansässig. A. H. Purnomo, klärt er bei einem Gespräch mit dem EICHSTÄTTER KURIER in seinem Atelier in der Schottenau auf, sei sein vollständiger Eigenname, denn in der indonesischen Inselwelt unterscheide man nicht zwischen Vor- und Zunamen. So aufregend anders, wie es sich mit den Namen auf dem indonesischen Archipel verhält, so spannend ist auch A. H. Purnomos künstlerischer Beitrag, den er nun schon seit einigen Jahren auch immer wieder in den Ausstellungen des Eichstätter Künstlerrings präsentiert. Es sind die Themen der indonesischen Fabel- und Mythenwelt, die Bemalung der Tänzermasken und Schattenspielpuppen oder auch die traditionellen Stoffmuster und Schriftzeichen, die A. H. Purnomo in seiner Malerei aufgreift, mit denen er voneinander weit entfernte Welten und Weltentwürfe zusammenbringt.
Den Kunstbetrachter in Eichstätt und in Ausstellungen weit über die Region hinaus will A. H. Purnomo so mit anderen Lebenswelten in Kontakt bringen und für einen anderen Kulturkreis interessieren. Ganz aktuell hat A. H. Purnomo mit seiner Malerei nun einen großen Schritt nach vorne, in die überregionale Öffentlichkeit getan.
Denn er wurde von seinem Land aufgefordert, für die Berliner Buddy-Bär-Freiluftgalerie einen Bären zu bemalen, der heute in Berlin der Weltöffentlichkeit vorgestellt wird und im Herbst des Jahres zusammen mit 124 weiteren Nationenbären auf Weltreise gehen soll.
Das Projekt Buddy Bär wurde im vergangenen Jahr erstmals von privaten Initiatoren durchgeführt und konnte immerhin 1,5 Millionen "Bärenfreunde" nach Berlin auf den Pariser Platz zur ersten Buddy-Bären-Parade locken. Dort waren die unter der Schirmherrschaft von Außenminister Joschka Fischer und des Berliner Senats stehenden Bären in einem riesigen Kreis aufgestellt worden, um für gegenseitiges Kennenlernen, Verständnis, Toleranz und Freundschaft unter den Völkern der Erde zu werben.
Zu Gunsten des UN-Kinderhilfswerkes Unicef wurden die Buddy-Bären dann versteigert, und die Kunstaktion mit geopolitischem Anspruch war schließlich so erfolgreich, dass die Veranstalter und Sponsoren für das laufende Jahr wieder einen Einladungswettbewerb durchführten, der 125 Künstler aus ebenso vielen Nationen der Erde in Berlin in einer Halle der Berliner Verkehrsbetriebe zur Bären-Buddy-Painting-Party zusammenführte. Die Lufthansa flog, die Bärenmaler ein, und der Berliner Hotel- und Gaststättenverband sorgte für Unterkunft und Verpflegung der Künstler.
Die Künstler haben jeweils einen zwei Meter großen weißen Polyäthylen-Bärenrohling mit einer Bemalung versehen, die Charakteristisches aus ihrem jeweiligen Heimatland zur Anschauung bringt. Für Indonesien wurde A. H. Purnomo aus Eichstätt ins Rennen geschickt, und er hat einen zauberhaften Bären für sein Heimatland kreiert. A. H. Purnomos Buddy-Bär trägt im Gesicht die traditionelle Bemalung zweier indonesischer Masken des Wayang Kulit, Brust und Bauch sind mit einer Barong-Darstellung bemalt, der Rücken mit historischen indonesischen Schriftstellen und um den Hals trägt A. H. Purnomos Buddy-Bär ein Zahlenband. Geckos laufen über die zweite Haut des indonesischen Bären. Alles, die in fein gestuften Farbnuancen gehaltene Malerei wie die grafischen Schriftzeichen, erzählt mehrere weltanschauliche Zusammenhänge aus den verschiedensten Epochen der indonesischen Geschichte, von den Religionen des Reichs der 1000 Inseln und vom Mythenschatz Indonesiens.
Im Katalog, der zur international beachteten Bärenparade in Berlin nun erschienen ist, erläutert A. H. Purnomo die Ideen und Geschichten, die er mit Bildern und Schriftzeichen seinem Buddy-Bären auf den Leib geschrieben hat. Symbole der Tradition Javas und Balis habe er bevorzugt ins Bärenfell gemalt, so A. H. Purnomo. Die Gecko- Darstellungen seien das Bindeglied, das all die vielen hundert Ethnien, die auf dem Inselarchipel leben, verbinde. Der Barong auf Brust und Bauch des Buddy-Bären von A. H. Purnomo zitiert ein mythisches Wesen aus Bali, das alle guten Kräfte verkörpert. Als Schutzsymbol wird der Barong außerdem verstanden. Schließlich habe er auch die historischen Schriftstellen auf den Rücken, die Arme und Beine des Bären gemalt, weil sie eine zweite schützende Haut für das Tier sind, verdeutlicht A. H. Purnomo. Mantras, heilige Sätze und Schutzformeln seien die Schriftbildinhalte.
Seinen Bären für Indonesien habe er nicht über und über bemalt, damit er noch genügend Platz habe, die Berliner Luft einzuatmen. Denn der Bär sei ein starkes Tier, das andere Kulturen kennen lernen will, so A. H. Purnomo schließlich, ganz dem Bilderschatz seiner Heimatkultur verpflichtet. Alle 125 Bären mit ihrer inhaltlichen Deutung kann man sich auch in einer Internet-Galerie unter der Netz-Adresse www.united-buddy-bears.com anschauen. Die Buddy-Bären-Parade wird heute, Dienstag, von Sir Peter Ustinov der Öffentlichkeit vorgestellt.