пресса
13.08.2012 /
Der Bärenjäger aus Wedding
Roland Schulz hat, das kann man so sagen, einen besonderen Blick für Bären.
"Mir reicht schon eine hochgereckte Pfote, dann weiß ich, da steht ein Teddy." Er fotografiert Buddy Bären. Sonntags sieht man ihn manchmal in der Stadt, auf der Pirsch mit der Kamera.
Es begann im August 2010. Im Bahnhof Alexanderplatz sah er den gelben Bären mit dem aufgemalten U-Bahnstreckennetz und dachte: Das ist ein Bild wert. Du hast die schon so oft gesehen, warum fotografierst du sie nicht? So entstand sein neues Hobby. Mittlerweile hat er schon 217 Buddy Bären fotografiert. "Der eine baut 'ne elektrische Eisenbahn, der andere sammelt Briefmarken, irgendwie muss man ja als Rentner zusehen, dass man etwas Hübsches macht." Hübsch findet der 68-Jährige die Plastiken allemal, die unterschiedlichen Motive und Farben haben es ihm angetan. Das Betrachten dieser Kunstwerke gefällt ihm.
Am heimischen Computer packt er die Bilder in eine Präsentationsdatei, schreibt die Fundorte dazu und schickt diese per E-Mail an seine Freunde und Bekannten. "Die finden das richtig gut." Ein Freund aus Tempelhof hilft ihm sogar bei der Suche. "Er deckt den Süden ab und informiert mich, wenn er einen Buddy Bären sieht", sagt Schulz, der in Wedding wohnt. Die meisten Bären hat er in Mitte und um den Kudamm entdeckt.
Seit Juni 2001 bevölkern die Skulpturen die Straßen Berlins. Die "Buddy Bär Berlin Show" wurde zum Magneten für Einheimische und Touristen. Die erhobenen Arme des stehenden Buddy Bären sollen Freundlichkeit und Optimismus symbolisieren und positive Stimmung verbreiten, so das Unternehmen Buddy Bär Berlin GmbH, das die Figuren zugunsten von Unicef und anderer Kinderhilfsorganisationen versteigert.
Roland Schulz schätzt die Buddy Bären in Berlin auf 1500 Stück, weltweit auf mehr als 2000 Exemplare. Seine Sammlung wird wahrscheinlich nie ganz komplett sein, denn einige Skulpturen stehen in Firmenzentralen, in die er nicht so leicht hineinkommt. Bei seinen Teddy-Touren, so nennt er seine Foto-Expeditionen, hat er beobachtet, dass sie häufig vor Botschaften oder Hotels stehen, in Höfen oder auch in Gebäuden. Meistens überlegt er sich zu Hause eine Route und fährt sonntagvormittags mit dem Auto los und sucht die Straßen ab. Je nach Wetter und Laune ist er ein bis zwei Stunden unterwegs.
Doch manchmal ist es einfach auch nur Zufall. Als er einmal im Stau stand und gelangweilt seinen Blick zur Seite drehte, sah er einen Buddy in einem Geschäft. "Nie mehr gehe ich ohne die Kamera aus dem Haus", sagt er und hält seine kleine silberne Digitalkamera fest in der Hand. Während er ein paar Motive auf dem Display der Kamera zeigt, nennt er immer den Standort mit Adresse. "Manche halten mich schon für einen Taxifahrer." Die genauen Straßenkenntnisse hat er sich schon als Jugendlicher angeeignet, die ihm später auch im Beruf als Stahlbauingenieur zugute kamen.
Auf seinen Teddy-Touren findet er auch andere Bären. Dazu zählen eine kleine Bärenfigur, die sich jemand in den Garten gestellt hat, eine rote runde Bärenskulptur auf einem Garagendach - oder auch ein Lieferwagen, der von einem aufgemalten Bären geschmückt wird. Selbstverständlich fotografiert er diese und kategorisiert sie unter "Sonderformen".
Es ist zwar unwahrscheinlich, dass er wirklich alle Buddy Bären in Berlin findet, aber auf die hypothetische Frage, was er denn machen würde, wenn er sie alle fotografiert hat, antwortet Roland Schulz ganz konkret, dass er sich ein "zweites Standbein" ausgesucht hat. Wieder hat es mit schönen Farben und Formen zu tun: bemalte Fassaden. "Das sind auch Kunstwerke" sagt er und beschreibt voller Begeisterung eine Hauswand in Wedding, die er schon fotografiert hat.
Автор: Berliner Morgenpost






