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23.05.2005 / Presse

Lueg, wieners Mannli macht!

Grossandrang zur Bärenparade in der Marktgasse - Ab Montag sind die 75 Bären in der Innenstadt verteilt

«Hopp Bäre! Hopp Sanggale!» - rief Stadtrat Fredy Brunner ins Mikrofon, genau so schallte es am Samstag aus der Marktgasse zurück. St. Gallen gab den Teddys einen begeisterten Empfang.

Josef Osterwalder

Der St. Galler Bär könnte neidisch werden. Mit seinem schwarzen Fell macht er einen verzweifelt langweiligen Eindruck. Denn seit dem Wochenende wissen wir, was in einem Bären wirklich steckt: an Farbe und Fantasie.

75 Bären wurden von Privaten und Firmen gestiftet, von Künstlern, Grafikern, Gestaltern hergerichtet, in einem Kreativwettbewerb sondergleichen. Am Samstag stellte Initiant Walter Tobler das Ergebnis vor. Selber überwältigt, was sein Aufruf vom letzten Herbst ausgelöst hat, erst bei seinen Wirtskollegen, schliesslich in der Öffentlichkeit. Und die Kritik, mit der seine Idee anfänglich aufgenommen wurde? «Die hat uns am meisten genützt», sagt Tobler; «an jenem Wintertag, an dem ein besonders scharfer Leserbrief in der Zeitung stand, habe ich am meisten Bären verkauft.»

Die Geburtsstunde

Doch wie kam es überhaupt zur Wiederansiedlung der Bären? Walter Tobler weilte letzten Sommer in Berlin und war dort der Figur des Buddy Bear begegnet. Als wenig später im «Tagblatt» in einer Ferienerinnerung ebenfalls von den Buddys berichtet wurde, war beim Wirt des National der Entschluss gefasst: Das bringen wir auch in St. Gallen fertig. Bei der «Bärnissage» wurde nun das Ergebnis besichtigt; beschnupperten sich erstmals Bären und St. Galler; zog sich ein ununterbrochener Besucherstrom zwischen der Bärenkompanie hindurch, bewundernd, bewertend, diskutierend, fotografierend. Während die «Galegäng» in ihren Bärenfellen (synthetisch!) zum Bärentanz aufspielte. Die Bären, die bis zur Olma das Stadtbild beleben, sind nicht nur bunter als unser Wappenbär - sie sind auch fleissiger; arbeiten als: Clown, Metzger, Kellermeister, Yuppie, Kindlifresser, Stadtplan, Blumenfee, Wirt, Bierkumpan, Senn, Knochenschlosser, Coiffeur, Berufsbildner, Manager oder Bankräu-Bär. «Welch ein bärenstarker Auftritt!», jubelte da Stadtrat Fredy Brunner, der mit dem St. Galler Bär ja besonders vertraut ist; schlüpft er doch selber gerne in die Rolle des Gallus, wenn er seinen Zeitgenossen eine satirische Gardinenpredigt halten will.

Der aufrechte Gang

Diesmal bestand sie jedoch aus viel Lob und herzlichem Dank für das Courage von Walter Tobler. Was dieser gerne an seine Crew weitergab: Ehrenföbu-Kollege Heinz Müller, Gastwirte, Gastro St. Gallen, den American Football-Club, Sponsoren, Bärenkäufer und -künstler - kurz an alle, die aus St. Gallen die Stadt der Riesenteddys machen, der stolzen Tiere, die auch uns den aufrechten Gang und bärenstarken Auftritt lehren könnten. So, wies nicht nur auf einem Bären geschrieben steht, sondern immer wieder zu hören war: «Lueg, wieners Mannli macht!»

Weltweite Bärenbewegung

St. Gallen hat die Idee mit den Bären von Berlin übernommen. Eine Kopie also? «Ich würde es anders sehen», meint Klaus Herlitz, der mit seiner Frau Eva aus Berlin zur Bärnissage hergereist war. Er war es, der im Jahre 2001 seine Heimatstadt Berlin in eine Bärenstadt verwandelt hatte.

Für ihn ist unsere Stadt nicht einfach eine Kopistin, vielmehr reiht sich St. Gallen in die Bärenbewegung ein, die inzwischen den ganzen Globus umspannt. 2002 wurden nämlich in Berlin 125 Länder-Bären gestaltet und in einem grossen Kreis aufgestellt, die «United Buddy Bears», ein ebenso malerisches wie friedliches Miteinander, das seither als Wanderausstellung in Europa, Asien und Australien unterwegs ist. Die 75 St. Galler Bären reichen von Weitem auch dieser internationalen Truppe die Hand. «Kein Tier ist so beliebt wie der Bär, kommt in den Sagen so vieler Völker vor», sagte Eva Herlitz; «da gibt es eine spontane Verständigung, die keine Worte braucht.» Die «Buddy Bears» strecken einander die Hände entgegen. «Das macht sie zu Botschaftern der Toleranz.» (J.O.)

 

Автор: St. Galler Tagblatt