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30.05.2012 /

Die Buddy Bären erobern Berlin zurück

Berlin spart sich die Bepflanzung des Kurfürstendamms. Stattdessen sollen die Bundesländer dort mit 16 bunten Buddy Bären für sich werben.

Der Buddy Bär soll zum Kudamm zurückkehren. Gleich 16 Exemplare könnten ab dem Spätsommer den Mittelstreifen bevölkern. Das Bezirksamt will die alten, grauen Beton-Pflanzschalen gegen neue bunt bemalte Buddy Bären austauschen. Die Idee stammt von Marc Schulte (SPD), dem Stadtrat für Stadtentwicklung in Charlottenburg-Wilmersdorf. Er will mit den Skulpturen den Boulevard für die Touristen wieder attraktiver machen. Schulte musste erstmals auf die Bepflanzung des Mittelstreifens verzichten: Weil er sparen muss, wächst nur Unkraut in den Kübeln. Und statt Blumenpracht gibt es lediglich Rasen in Hochbeeten.

Um seine Idee in die Tat umzusetzen, hat Schulte vor rund zwei Wochen die Landesvertretungen der 16 Bundesländer in Berlin angeschrieben und sie gebeten, einen Buddy Bären für den Kudamm zu erwerben. Den Rohling würde die Buddy Bär GmbH zur Verfügung stellen, ebenso die Farben und das Atelier, in dem die Künstler die "nackten" Bären dann für das jeweilige Bundesland bemalen könnten. 1700 Euro kostet der Bär die Landesregierung. Hinzu kommt das Geld für den Künstler, der von dem jeweiligen Bundesland beauftragt wird und der sich um die Bemalung kümmert.

Noch gibt es keine Rückantwort. Schulte ist dennoch optimistisch: "Auch wenn sich nur einige Landesvertretungen beteiligen, wollen wir das Projekt starten. Immerhin erfahren wir auf diese Weise auch, wer ein Berlinfreund ist und wer nicht", sagt er und schmunzelt.

Schon seit einiger Zeit gibt es Diskussionen, wie man den Kurfürstendamm modernisieren kann. Daran ist nicht nur den Händler gelegen, die auf der Shoppingmeile Tauentzien/Kudamm die stadtweit höchsten Ladenmieten zahlen. Auch Touristen wundern sich über das vernachlässigte Äußere von Berlins Vorzeigeboulevard. Das Problem drängt.

Teilweise hat Schulte die alten Pflanzkübel schon abräumen lassen. Rund 70 stehen aber noch. In den Vorjahren sorgten in den Pflanzschalen wenigstens noch bunte Blumen aus der Bezirksgärtnerei für ein farbenfrohes Straßenbild. Aus Kostengründen hat der Bezirk in diesem Jahr darauf erstmals verzichtet. 50.000 Euro spart der Bezirk laut Schulte durch die fehlende Frühjahrs- und Sommerbepflanzung. Eine Entscheidung, die in der Bezirksverordneten-Versammlung mehrheitlich gefasst wurde, da im Grünbereich fast zwei Millionen Euro fehlten, die von anderen Aufgaben abgezwackt werden müssen.

Da die Ausstellung mit den Buddy Bären der deutschen Bundesländer nur temporär auf dem Kurfürstendamm gezeigt werden soll, arbeitet Schulte parallel an einer dauerhaften Lösung, den Boulevard zu verschönern. Von der Senatsverwaltung hatte er sich eigentlich aus dem Programm Aktive Zentren 500.000 Euro erhofft. Doch wie er am Dienstag sagte, gibt es damit Probleme. "Die Summe aus dem Programm wird in jedem Fall kleiner. Deshalb verhandeln wir gerade, ob es andere Töpfe gibt, aus denen die Aufwertung des Kurfürstendamm gezahlt werden kann", sagte Schulte.

 "Ausstellung zwei bis drei Monate"

Doch bis es soweit ist – und das Beispiel Tauentzienstraße dokumentiert, dass eine dauerhafte Verschönerung Jahre dauern kann –, sollen die bunten Bären die Lücken der weggeräumten Pflanzschalen füllen. Schulte denkt an "mindestens zwei bis drei Monate Ausstellungsdauer" und lockt die Bundesländer: "Wer zuerst mitmacht, kann sich den Platz noch aussuchen." Ein nicht unwichtiger Grund die Bären-Skulpturen aufzustellen ist für die Behörde auch, dass sie so verhindert, dass die freiwerdenden Flächen auf dem Mittelstreifen nicht als illegale Parkplätze missbraucht werden. "Das würde sofort passieren", weiß Schulte, der gleichzeitig auch Chef des Ordnungsamtes ist.

Bereits im vergangenen Jahr waren die rund 140 United Buddy Bären anlässlich des 125. Geburtstages des Kurfürstendamms drei Monate zu Gast auf dem Boulevard. Für Berliner, aber vor allem auch für Touristen waren die bunten Bären eine Attraktion. Nach ihrem Auftritt in der City West gingen die bunten Botschafter Berlins, verpackt in acht Containern vom Hamburger Hafen aus zunächst auf Tour nach Kuala Lumpur, der Hauptstadt Malaysias. Die zwei Meter großen Bären aus glasfaserverstärktem Kunststoff setzten damit ihre Welttournee fort. Momentan ist die Bären-Parade gerade unterwegs per Schiffscontainer nach St. Petersburg, wo mit ihnen ab dem 21. Juni die weißen Nächte gefeiert werden sollen, wie Buddy-Bär-Erfinder Klaus Herlitz berichtet. Sie seien direkt von ihrer letzten Station Neu Delhi dorthin unterwegs. Die Idee, auf den Kurfürstendamm Buddy-Bären mit Motiven der Bundesländer auszustellen, findet er gut. Madrid überlege beispielsweise auch, auf einem zentralen Platz und in den Nebenstraßen ab 2014 eine Ausstellung mit Buddy-Bären zu organisieren. Dort werde an einen Zeitraum von ein bis anderthalb Jahren gedacht.

Ihren ersten Auftritt hatten die Bären 2001 vor dem KaDeWe. Seit mehr als zehn Jahren wirbt der Kreis der United Buddy Bears in der ganzen Welt um Toleranz und Frieden. Mehr als 25 Millionen Menschen in fast 25 Metropolen haben die Bären-Parade aus Berlin inzwischen besichtigt. Jeder Buddy Bär wurde individuell von einem Künstler des jeweiligen Landes gestaltet. Durch den Verkauf von Fanartikeln und Spenden kamen allein auf dem Kurfürstendamm im vergangenen Jahr durch das Kunstprojekt mehr als 16.000 Euro zusammen. Damit wird unter anderem weiterhin die Miete der Kinderhilfseinrichtung Arche in Wedding finanziert. Fast 1,9 Millionen Euro konnten Eva und Klaus Herlitz, die Initiatoren des Projekts, bislang insgesamt durch Spenden und Versteigerungen von Buddy Bären für Unicef und andere Kinderhilfsorganisationen sammeln. Rund 1300 Bären stehen zudem vor Botschaften, Schulen, Unternehmen oder anderen exponierten Orten in der ganzen Welt.

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Autor: Berliner Morgenpost