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18.08.2010 / Presse, UBB

Heik Afheldt trifft... Klaus Herlitz, Unternehmer

So sieht er also aus, der mit den Bären spielt: eine ausnehmend gute Erscheinung, hochgewachsen, sportlich und elegant. Ein einladendes Büro mit einem herrlichen grünen Garten, in den Regalen und an den Wänden bunte Buddy-Bären und Plakate von Ausstellungen rund um den Globus. Und immer ein Peter Ustinov oder Jackie Chan mit der lächelnden blonden „Bärenmutter“ Eva Herlitz dabei. Über das Projekt mag manch einer lächeln, aber es ist ein beeindruckendes Geschäft für einen guten Zweck geworden – ob für die Arche oder das Kinderhilfswerk Unicef, die Völkerverständigung, Berlin und ein wenig auch für die Kunst – und für den Unternehmersohn und ehemals weithin bekannten Berliner „Papierindustriellen“ ein motivierendes Tätigkeitsfeld.

Als jüngster der drei Brüder und zwei Schwestern ist er nach dem Krieg in West-Berlin aufgewachsen. Er hat das Eingesperrtsein durch Mauern und Grenzposten so intensiv erlebt, dass es ihn noch heute prägt. Genauso wie der unbändige Aufbauwille seines Vaters, als der nach dem Krieg das damals noch bescheidene Unternehmen in Trümmern vorgefunden hatte. 97 Jahre alt ist er heute. Der Sohn Klaus sollte wie die Brüder in die kräftig wachsende Firma für Papier-, Büro- und Schreibwaren einsteigen. Also studierte er ab 1967 BWL an der FU. Dort war in der 68er-Zeit ein geregeltes, ernsthaftes Studium kaum möglich. So las der Student neben diversen Jobs zur Finanzierung seiner vielen Reisen und dem ersten Auto selbst und meist zu Hause. Das führte auch zum Diplom und danach gleich zum Doktorhut. Chart-Theorien waren sein Thema.

Die wechselvolle Geschichte des Familienunternehmens, das 1977 an die Börse ging und nach der Wiedervereinigung einen Boom im Osten erlebte, ist bekannt. 5000 Mitarbeiter und 1,8 Milliarden D-Mark Umsatz hatten sie 1995. Aber die beiden Brüder verließen das Schiff in Unfrieden und rauer See. Klaus Herlitz blieb bis zur Übernahme durch Banken 1997 und dann noch zwei Jahre als Aufsichtsrat.

Die Idee mit den „Bären“ kam von seiner Frau, die Lehrerin und Innenarchitektin ist – und die Anregung aus Zürich mit den stadtweiten Aktionen mit bunt bemalten Löwen und Kühen. Die beachtlichen Erlöse aus Versteigerungen der „Kunstwerke“ sollten einem guten Zweck dienen. Das überzeugte Politiker, internationale VIPs und auch die Künstler. So wurden aus der ganzen Sache zwei wertvolle Marken: „Buddy Bären Berlin“ und „United Buddy Bears“ und viel beachtete Ausstellungen rund um den Globus. 1,6 Millionen Euro sammelten sie so ein. Sponsoren wie Schenker, Hamburg-Süd oder die ägyptische Telekom sponsern Transporte und Events. Der Eintritte ist immer gratis.

Er und seine Frau haben drei längst erwachsene Söhne. Als Golfer und Vereinspräsident hat er 2000 den Golfclub Seddiner See mit glücklicher Hand erfolgreich mit saniert. Beim Golfspiel war seine rechte Hand nach einem Unfall aber noch lange ein spürbares Handicap.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

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