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18.08.2001 / Presse

Der Bär ist los!

Eine tierische Idee wird in Berlin zum sommerlichen Event

In Berlin ist der Bär los. Ob Kudamm oder Unter den Linden, ob Pariser Platz oder Flughafen Tegel - überall begegnet Meister Petz dem Besucher. Mal trägt er ganz wenige Farbspritzer im Fell, mal ist er knallbunt angemalt. Aber vor allem ist er immer fröhlich, immer freundlich, immer witzig. Eine Idee, 1998 in Zürich geboren, in den Folgejahren in Chicago und New York fortgesetzt, wird zum sommerlichen Event in der Großbaustelle Bundeshauptstadt.

In den drei anderen Metropolen waren es Kuh-Figuren. Kam natürlich für die Stadt mit dem Bär als Wappentier nicht in Frage. Schon nach wenigen Tagen wird spürbar: Die Begeisterung ist irrsinnig groß. Überall werden die Kameras gezückt, posieren die Gäste aus aller Welt vor den künstlerisch gestalteten Vierbeinern.

Buddy-Bär ist er getauft worden. "Das ist der Kumpel, den man so gern auf der Straße trifft", erzählen die Initiatoren. Drei Skulpturen als Grundform gibt es: Ein Bär tapst unbeholfen, einer steht aufrecht, einer gar auf dem Kopf. Alle sind sie aus strapazierfähigem Kunststoff. Und eben groß. Lebensgroß.

Und wer dann so in der Dämmerung vorm Kempinski sitzt, ahnungslos rüber schaut auf die andere Kudamm-Seite, dem mag ein kleiner Schauer über den Rücken laufen. Sieht schon verdammt echt aus, dieser Bär vor der Parfümerie.

Die Sache wurde ganz schnell zum Selbstläufer. In einem ausgedienten Straßenbahndepot fanden Künstler die Möglichkeit, die Rohlinge zu bemalen. Natürlich kostet der Spaß Geld. Was anfangs vielleicht als recht mühsam eingestuft worden war, erwies sich als kinder leicht. Weil mittlerweile jeder, der etwas auf sich hält, einen Bären vor seiner Tür stehen haben will. 200 Exemplare sollten es ursprünglich sein, dann ging's los mit den Nachbestellungen. "Zurzeit kriegen wir täglich vier bis fünf weitere Wünsche", erzählt der Geschäftsführende Gesellschafter der Buddy Bär Berlin GmbH, Dr. Klaus Herlitz. Noch macht das keine Probleme, denn 280 Standorte wurden behördlich besichtigt, kartografiert, fotografiert und schließlich genehmigt.

In Künstlerkreisen sprach sich das Projekt in Windeseile herum. So rissen sich renommierte Kunstschaffende förmlich darum, eines der Tiere gestalten zu dürfen. Prominenz aus Funk und Fernsehen ist ebenfalls begeistert. Sandra Maischberger, Sabine Christiansen oder Günter Pfitzmann etwa griffen gern zu Farbtopf und Pinsel.

Seit wenigen Wochen stehen die Bären nun, fest verankert, in den Straßen und auf den Plätzen Berlins. Aber nicht nur da. Ein Amerikaner aus Houston in Texas sprach bei den Buddy-Bär-Machern vor, wollte binnen zwei Tagen per Spedition ein Exemplar in seine Heimatstadt geliefert bekommen. Man war, gelinde gesagt, ebenso sprachlos wie doch leicht skeptisch. So lange, bis der "Ami" die Dollarscheine in bar aus der Hosentasche zog und direkt bezahlte. Binnen 48 Stunden war Buddy verpackt und verschickt.

Quer durch Deutschland werden die Bären zu fröhlichen Botschaftern Berlins. In manchem Garten stehen sie schon oder werden sie bald zu bestaunen sein. "Vier Bestellungen aus Mallorca liegen uns vor", erzählt Herlitz. Ein Rohling geht an eine mallorquinische Galerie, die ihn vor Ort von einem spanischen Künstler gestalten lassen wird. Aus San Francisco gibt's eine Anfrage - weil der Bundesstaat Kalifornien einen Bären im Wappen führt, hätte man gern einen Buddy. Wird sich einrichten lassen.

Was angenehm auffällt: Die Bären sind bisher allesamt fast unbeschädigt. "Das liegt", meint Dr. Klaus Herlitz, "sicher auch daran, dass die meisten auf recht belebten Straßen oder Plätzen stehen." Aber nicht nur daran: Vorm legendären Bahnhof Zoo etwa haben die dort lebenden Nichtsesshaften ihre ganz eigene Art der Patenschaft für den Buddy kundgetan: Rund um die Uhr wird das Kunstobjekt von ihnen bewacht. Irgendwie rührend.

Eine Panne gab's allerdings auch: Schauspieler Pfitzmann krönte seinen Entwurf mit eigenwilligem Autogramm, kritzelte ein schwungvolles "Pfitze" auf den Bären. Das wurde als Graffito missverstanden, weitere kleine Schmierereien folgten, wurden entfernt. Jetzt klärt die kleine Metalltafel am Fuß auf, und nichts passiert mehr.

Kinder sollen ganz bewusst auf den munteren Gesellen herumklettern, hinterlassen vorwiegend Turnschuhabdrücke. War anfangs ein kleines Problem. Bis man herausfand, dass simple Radiergummis für Abhilfe sorgen.

Toll bei allem: Wenn im nächsten Frühjahr die Aktion langsam zu Ende geht, werden viele der Sponsoren ihre Bären versteigern lassen. Das Geld kommt Projekten zugute, die das Leben von Berliner Kindern und Jugendlichen lebenswerter machen sollen. Welch eine Idee!

Bis dahin werden die Buddys noch für viel Spaß sorgen, auf vergnüglichen Spaziergängen für manches Erinnerungsfoto stillhalten müssen. Drei Grundformen - und ein Kuriosum. Ein Bär nämlich entgleitet den Vorgaben. Auf der Freifläche im neuen Kranzler-Eck steht er in verschämtem Rosa. Und hält ein Transparent hoch. "Ich bin eine Bärlinerin" steht drauf. Zum Beweis trägt die Dame Busen. Einfach köstlich.

von Matthias Dietz

Por: Wochenendmagazin